Zwei Künstler - erfunden von Michel Houellebecq

in ders. Plattform, Roman, Köln 2002 (Dumont)

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Leichenteile und Höschen

"Er ge­hörte nicht gerade zu den jungen Künstlern, er war bereits drei­undvierzig und sah ziemlich mitgenommen aus - er glich ziem­lich dem versoffenen Dichter in dem Film Der Gendarm von Saint Tropez. Bekannt geworden war er vor allem dadurch, daß er in den Höschen von jungen Frauen Fleisch hatte verrotten las­sen oder in seinen eigenen Exkrementen Fliegen gezüchtet hatte, die er anschließend in den Ausstellungsräumen freiließ. Er hatte nie viel Erfolg gehabt, er gehörte nicht den richtigen Kreisen an und versteifte sich darauf, eine etwas überholte trash-Richtung fortzusetzen. Ich spürte in ihm eine gewisse Au­thentizität - aber vielleicht war das auch nur die Authentizität des Scheiterns. Er wirkte nicht sehr ausgeglichen. Sein letztes Projekt war noch schlimmer als die früheren- oder besser, das ist Auffassungssache. Er hatte einen Videofilm darüber gedreht, was mit den Leichen jener Leute geschah, die sich bereiterklärt hatten, ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zu über­lassen - also zum Beispiel als Leichenpräparat, an dem die Stu­denten in der medizinischen Fakultät das Sezieren übten. Ein paar richtige, normal gekleidete Medizinstudenten sollten sich unter das Publikum mischen und hin und wieder abgeschnit­tene Hände oder aus den Augenhöhlen gelöste Augen vorzeigen - kurz gesagt, sie sollten jene Scherze treiben, die der Legende nach unter Medizinstudenten so beliebt waren." S.17




Frösche und Tarotkarten


"Ich arbeitete gerade an dem Dossier einer Wan­derausstellung, in der es darum ging, Frösche in einem mit Mo­saik gepflasterten, eingegrenzten Raum, in dem Kartenspiele ausgebreitet waren, laufenzulassen - in manche Kacheln waren die Namen bedeutender historischer Persönlichkeiten wie Dü­rer, Einstein oder Michelangelo eingraviert. Das Budget sah im wesentlichen den Kauf von Kartenspielen vor, die ziemlich oft ausgetauscht werden mußten; ab und zu mußten auch die Frö­sche ausgetauscht werden. Der Künstler wünschte sich wenig­stens für die anfängliche Ausstellung in Paris Tarot-Karten; er war bereit, sich für die Provinz mit normalen Kartenspielen zu begnügen." S.200




Franz Billmayer

zuletzt geändert 22.10.2006