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www. madonnainn.com |
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Madonna Inn und andere ThemenDank für die Idee an Lars Zumbansen |
![]() Eingangssituation
Madonna Inn,
San Luis Obispo, Kalifornien
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Das Madonna Inn
liegt in etwa
auf halbem Weg zwischen San Francisco und Los Angeles. Wenn die
Reisenden in der Rezeption nach einem Zimmer fragen, bekommen sie ein
Fotoalbum mit Abbildungen (online)
der
einzelnen freien Zimmer und den entsprechenden Preisen vorgelegt. Jetzt
haben sie die Qual der Wahl. Das Madonna Inn ist ein Hotel mit weit über 100 Themenzimmern. Offensichtlich verbringen die Gäste dort vor allem die Wochenenden - was sich an den deutlich erhöhten Preisen zeigt - Essen, Trinken, Lieben... in einen entsprechenden Interpretationsrahmen gestellt: Steinzeitmenschen, Österreichtouristen, Großwildjäger... |
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Hyperrealität durch diskrete WahrnehmungsgegenständeUmberto Eco verwendet in seinen Essays über die Imitationsindustrie in den USA den Begriff Hyperrealität. Er versteht darunter, dass die Nachahmung wirklicher als die Wirklichkeit ist. Bei den Themenzimmern und den Themenhotels etwa in Las Vegas wird das u. a. dadurch erreicht, dass pro Flächeneinheit mehr unterscheidbare Wahrnehmungsgegenstände zu finden sind, als in der Realität. |
Hyperrealität durch InterpretationDie Ausstattung dieser Themenzimmer und Hotels ist zeichenhaft. Wir wissen das und sehen die Einrichtung nicht nur als Einrichtung sondern auch als Zeichen im Rahmen des Themas. Ein Stuhl ist ein Stuhl und als solcher zudem auch ein Zeichen für das Thema.Dieses Zeichen beurteilen wir zunsätzlich als mehr oder weniger gelungen. Wir nehmen wahr und interpretieren die Wahrnehmung. Eine enorme Steigerung der Wahrnehmung - wenn Wirklichkeit Wahrnehmung und Wahrnehmung Interpretation ist, kommt auch dadurch zu einer übersteigerten Realität. |
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ErlebnisrationalitätEin Begriff von Gerhard Schulze. Sinn und Ziel des Lebens ist das Erlebnis im Rahmen des Projekts des schönen Lebens. Die entsprechenden Erlebnisse wollen wir unter anderem durch Situationsmanagement erreichen. Situationsmanagement setzt darauf, durch das Wahrnehmungsangebot eine entsprechende Wahrnehmung (Interpretation) auszulösen, das erhoffte positive Gefühl auslöst. Dabei haben wir mehr Möglichkeiten als Lebenszeit und wir wissen von diesen Möglichkeiten. Wenn wir in Venedig sind, denken wir, ob wir nicht doch lieber in die Alpen oder nach New York hätten fahren sollen... Künstliche Erlebniswelten wollen uns diese Probleme vom Leib halten, indem sie räumlich nebeneinander verschiedene Situationen anbieten. |
ErlebnisrationalitätSicherheitshalber wählen wir Situationen, die reich an Eindrücken und Reizen ist. Reichhaltige Oberflächen, kleinteilige historische Innenstädte, abwechslungsreiche Landschaften, Skihotels mit mediteranen Badelandschaften,...![]() Hotelbar
im Hotel Tirol in Ischgl
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![]() Austrian Suite ![]() Caveman Room ![]() Jungle Rock ![]() Sugar & Spice |
Umberto Eco
über Madonna
Inn 1977 Die dürftigen Worte der menschlichen Sprache reichen nicht aus, um Madonna Inn zu beschreiben. Um den Anblick der Bauten wiederzugeben, die man erreicht, wenn man eine in dolomitischen Fels gehauene Tankstelle hinter sich hat, um das Restaurant, die Bar, die Cafeteria zu schildern, kann man nur einige tastende, ungefähre Vergleiche wagen. Sagen wir, Albert Speer oder Piacentini hätten beim Blättern in einem Buch über Gaudi eine zu starke Dosis LSD geschluckt und sich plötzlich vorgenommen, eine Hochzeitsgrotte für Liza Minelli zu bauen. Aber das trifft es noch nicht. Sagen wir, Arcimboldi ersinnt für Heino eine Sagrada Familia. Oder Carmen Miranda entwirft für McDonald's ein Lokal ä laTiffany. Oder auch: D'Annunzios Vittoriale am Gardasee (oder Ludwigs des »Kini« Neuschwanstein im Allgäu), imaginiert von Louis de Funes, Calvinos »Unsichtbare Städte«, beschrieben von Sandra Paretti und realisiert von Leonor Fini für das Oktoberfest, Chopins b-Moll-Sonate, gesungen von Karel Gott nach einem Arrangement von Liberace und gespielt von der Feuerwehrkapelle zu Hintertupfingen... Aber das trifft es noch immer nicht ganz. Versuchen wir, die Toiletten zu schildern. Eine riesige unterirdische Höhle, halb Altamira, halb Adelsberg, mit byzantinischen Säulchen, auf denen barocke Gipsputten stehen. Die Waschbecken große Perlmuschelschalen, das Pissoir ein in den Fels gehauener Kamin, doch wenn der Urinstrahl (Entschuldigung, aber man muß das erklären) den Boden berührt, entquillt den Wänden der Rauchkappe Wasser und schießt in Kaskaden hernieder, als wär's die Spülung in den Höhlen des Affenplaneten Mongo. Im Erdgeschoß dann, vor einem Panorama aus Tiroler Berghütten und RenaissanceSchlößchen, eine Flut von Lüstern in Form von Blumenkörben, Misteltrauben, aus denen opalisierende, veilchenblaue und mattgelbe Glaskugeln wachsen, umschaukelt von viktorianischen Püppchen. Die Wände durchbrochen von Jugendstilfenstern in Chartres-Farben, dazwischen Regency-Tapisserien im Stil des sozialistischen Realismus der frühen Jahre. Die runden Sofas golden und pink, die Tische aus Gold und Glas, das Ganze eine verwegene Mischung aus farbenprächtiger Eisbombe, Praliné-schachtel, Sahnetorte und Knusperland für Hänsel und Gretel. Alsdann die Zimmer, etwa zweihundert an der Zahl, jedes mit einem anderen Charakter. Zu einem mäßigen Preis (und mit einem Riesenbett - King's oder Queen's Bed - für Hochzeitsreisende) erhält man das Prähistorische Zimmer (ganz Tropfsteinhöhle), den Safari Room (ganz in Zebra tapeziert, mit einem Bett in Form eines Bantu-Götzen), das Hawaii-Zimmer, die California Poppy, den Old Fashioned Honeymoon, den Irischen Hügel, den Stürmischen Gipfel, den William Tell, den Tall and Short Room (für Eheleute von unterschiedlicher Größe, mit einem unregelmäßig polygonen Bett), den Wasserfall an der Felsenwand, den Imperial Room, die Alte Holländische Mühle oder das Schlafzimmer mit Karussell-Effekt. Madonna Inn ist das Hearst Castle der kleinen Leute, es hat keine künstlerischen oder philologischen Ambitionen, es appelliert an den wilden Geschmack am Verblüffenden, am Vollgestopften und absolut Prächtigen zu geringem Preis. Es verheißt den Besuchern: »Auch ihr könnt das Unglaubliche haben, genau wie die Millionäre!« Eco, U. (1985). Über Gott und die Welt. (2. Aufl. Aufl.)München: Hanser. S. 60 f Marcello Piacentini, führender italienischer Architekt zur Zeit Mussolinis.Symbolistische Malerin, die auch Bühnenbilder entworfen hat, u. a. für den Choreographen Balanchine an der Pariser Oper. |
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Marie-Antoinette die Königin von Frankreich hat sich im Park von Versailles ein Bauerndorf bauen lassen. Das Bild links zeigt die Mühle - ein frühes Beispiel für einen Themenpark im Rokoko. | ||
| Beispiele aus Las
Vegas:
Themenhotels |
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![]() Venetian
und New
York NewYork
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Paris Paris Hotel |
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| Gerhard Schulze: Die
Erlebnisgesellschaft : Kultursoziologie der Gegenwart.
Frankfurt a.M. : Campus, 1992 (Studienausgabe 2000, ISBN 3593348438) |
Übungen Nehmen Sie sich einzelne Themenzimmer vor und benennen Sie das Thementypische. Schauen Sie sich in der Übersicht die einzelnen Themen an, ohne auf die Bilder weiterzuklicken und überlegen Sie, wie das Zimmer ausschauen könnte. Entwickeln und gestalten Sie Zimmer nach einem selbst gewählten Thema. Gestaltung: zeichnerisch, Modell, CAD, Collagen, verwenden Sie auch Materialproben, suchen Sie nach Accessoires in Baumärkten, Geschenkeläden &c. |
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| Franz Billmayer, 22. November 2006 zuletzt geändert am 29.7.2007 |