Der Bildunterricht als Teil der Schule soll den
SchülerInnen helfen in der Welt der visuellen Gestaltung (visuelle Kultur) zurechtzukommen. Diese Forderung geht
vermutlich über die "visuelle
Literalität"hinaus;
dennoch ist diese in der allgemeinbildenden Schule das vordringliche
Ziel. Literaltität ist nützlich im Alltag, beim Lernen in der Schule
und später im
Beruf.
Gegenstand
des Unterrichts ist die Welt/Wirklichkeit
(im Sinne des
Konstruktivismus), die mit Hilfe von Bildern und visueller Gestaltung
generell konstruiert wird. Das meint mehr als Kommunikation.
Bilder zeigen das, was sie zeigen, immer auf eine bestimmte Art und
Weise. Die Interessen des Herstellers, des Verwenders und des
Betrachters bestimmen, diese Sicht, diesen Blick. Visuelle Kompetenz
muss diese politische Seite des Sehens der Welt verstehen und
durchschauen und sie beim Gestalten von Zeichen und Botschaften
berücksichtigen können - auch im Sinne von Selbstreflektion.
Bildbasierte
Unterhaltungsangebote (Filme, Computerspiele, Simulationen,
Themenparks) beeinflussen unsere Weltkonstruktion - hier handelt es
sich meines Erachtens nicht um Kommunikation sondern um Produkte und Dienstleistungen
mit dem Ziel der Unterhaltung! Wenn viele Menschen ähnliche Produkte und
Dienstleistungen für Unterhaltung verwenden, dann bilden sie gemeinsame
Wirklichkeiten, d.h. gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, auf die man sich beziehen kann, wie auf
die "echte" Welt. Oder: die weltweite Verbreitung der Office-Programme
führt dazu, dass wir alle unsere Daten ähnlich strukturieren und
verwalten müssen. Hier haben wir eine visuelle Welt, deren "Existenz" sich dem
gemeinsamen Gebrauch von so genannten Konsumgütern und nicht der Kommunikation und auch nicht genuin einem
Zeichengebrauch verdankt. Jeansträger erwerben ein ähnliches Körpergefühl.
Wie und unter welchen Bedingungen eine derartige Welt zustande kommt,
ist Gegenstand einer Schule die sich der Allgemeinbildung und
der Aufklärung verpflichtet fühlt. Und nochmal: soziale Kommunikation
und Medien sind wichtige Parameter bei der Konstruktion dieser
Wirklichkeit.
