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Der Unterricht in Bildnerischer Erziehung (BE)Auswertung und Interpretation einer nicht repräsentativen Umfrage zum Unterricht in Bildnerischer Erziehung im Februar 2008 | Die Daten finden sie hier als SPSS-Datei oder als MS-Excell-Tabelle hier der Fragebogen - sollten Sie daraus eigene Schlüsse ziehen, bitte senden an franz.billmayer@moz.ac.at. |
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Die AusgangslageUnterricht in einem Gegenstand ist immer so gut, wie der Unterricht, der tatsächlich im Klassenzimmer statt findet. Zum Unterricht in Bildnerischer Erziehung haben wir kaum oder gar keine empirischen Daten. Das meiste, was wir wissen beruht auf mehr oder weniger persönlichen Erfahrungen und entsprechenden Vermutungen. Im Februar 2008 bot sich auf Initiative von Ossi Seitinger die Möglichkeit, etwa 200 SchülerInnen und Schüler zum BE-Unterricht zu befragen. Die Befragung fand im Rahmen der Aufnahmeprüfung an die Ortweinschule in Graz am 9. Februar 2008 statt.Im Zentrum der Untersuchung stand, wie und unter welchen Bedingungen Unterricht statt gefunden hatte. Die Fragen bezogen sich auf den Unterricht, den die Schülerinnen und Schüler im aktuellen Schuljahr 2007/2008 bisher besucht hatten. Bei den allermeisten handelte es sich also um das 1. Semester der 4. Klasse Hauptschule bzw. AHS. Die Verteilung der beiden Schularten lag in etwa bei 50:50. Von den 200 Fragebögen, die ausgefüllt zurück kamen, hatten 187 Schülerinnen und Schüler im fraglichen Zeitraum BE-Unterricht besucht. Zusammenfassung der Ergebnisse.Für BE interessieren
sich mehr Mädchen als Burschen:Die Aufnahmeprüfung in die Ortweinschule machen SchülerInnen
entweder, weil sie sich für die angebotenen Gegenstände und die damit möglichen
Berufe interessieren oder weil sie sich dafür besonders begabt halten. Etwa
drei Viertel der BewerberInnen (73,3%) sind weiblich, nur ein Viertel (26,7%)
männlich. Ähnlich ist bei der Befragung die Verteilung Lehrerinnen und Lehrern.
StundenanteilAn AHS findet der Unterricht durchgehend zweistündig statt, in
etwas mehr als der Hälfte Hauptschulen wird jeweils nur eine Stunde angeboten.
Einfache
Aufgabestellungen überwiegenDie SchülerInnen haben überwiegend relativ viele Aufgaben
bearbeitet. Auffallend war dabei, dass im einstündigen Unterricht etwa genauso
viele Aufgaben erledigt wurden, wie im zweistündigen Unterricht. Das deutet
daraufhin, dass gerade im einstündigen Unterricht schnell zu lösenden Aufgaben
gestellt werden.
Wir haben auch nach dem durchschnittlichen Arbeitsaufwand pro Aufgabe gefragt: über 80% geben, dass sie durchschnittlich drei Stunden oder weniger benötigen; 60% geben an, sie kämen mit 2 oder weniger Stunden im Schnitt aus. In Hauptschulen wird etwas weniger Zeit aufgewendet als in AHS. Alltagsästhetik selten40% geben an, sich nie mit Architektur, Design, Werbung,
Mode und Ähnlichem im Unterricht beschäftigt zu haben. 75% haben nie über einen
Film oder eine Fernsehsendung im Rahmen des Unterrichts gesprochen.
… arbeiten wie
KünstlerInnen …Insgesamt zeigt sich folgendes Bild des üblichen
Unterrichts:Es wird ein Thema oder eine Aufgabe gestellt und die Schülerinnen und Schüler arbeiten an der Lösung selbstständig und selbsttätig. Dabei wird ihnen relativ wenig gezeigt oder erklärt, auch werden sie im Ungewissen gelassen, welche genauen Anforderungen von ihnen erwartet werden. Es sind hier immer noch Traditionen der musischen Erziehung wirksam. Verbale Erklärungen sind häufiger als konkretes Zeigen, wie was geht. In aller Regel werden die Aufgaben mit einer Arbeit gelöst, mehrere Arbeiten oder Skizzen werden kaum oder sehr selten verlangt. Zur Unterstützung der SchülerInnen bei ihren Aufgaben werden relativ häufig Bilder herangezogen. Ansonsten wird in ungefähr der Hälfte der Fälle in Einzelberatungen Hilfe angeboten. Die Aufgaben sind offensichtlich ziemlich einfach zu lösen mit der Folge: viele sind früher fertig als die anderen. – Man kann mit entsprechenden Disziplinproblemen rechnen. Das Künstlerparadigma zeigt sich auch bei der Art der Aufgaben. Den Schwerpunkt bilden Aufgaben, die aus der Vorstellung gelöst werden müssen. Eine Entwicklung aus der Kunsterziehung - die SchülerInnen werden als "expressive KünstlerInnen" verstanden. Technische Apparate zur Herstellung von Bildern kommen so gut wie nicht vor. A3 dominiert bei den
Formaten mit wenigen Ausnahmen.Traditionelle
bildnerische Techniken dominierenAus den Antworten auf Frage, welche Techniken und
bildnerischen Mittel zum Einsatz gekommen seien, lässt sich schließen, dass die
traditionellen Mittel - allen voran Bleistift, Lineal, Schere und Deckfarben -
den Unterricht bestimmen. Neue Medien kommen sehr selten vor. Und: Bildnerische
Erziehung ist vor allem zweidimensional. Techniken, die auf Aufgaben im Bereich
3dimensionales Gestalten schließen lassen, sind nur äußerst selten vertreten.
AusblickDie Untersuchung hat interessante Tatsachen zum Vorschein gebracht. Es wäre interessant in anderen Jahrgangsstufen ähnliche Befragungen durchzuführen. | |||
| Franz Billmayer, 17. Februar 2009 | |||