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grundsätzliches:


Der sogenannte "Mozart-Effekt", wonach das Hören klassischer Musik die intellektuelle Leistungsfähigkeit dauerhaft steigert, existiert offenbar doch nicht. Zu diesem Schluss kommen neun Neurobiologen und Psychologen in einer Untersuchung, die am Dienstag vom Bundesbildungsministerium veröffentlicht wurde. Die Forscher hatten zahlreiche Studien ausgewertet und konnten nicht bestätigen, dass Musik hören den Intelligenzquotienten dauerhaft erhöht. ...       Kunst- wie Musikunterricht sollten sich nicht darauf verlassen, dass sie für die Entwicklung allgemeiner Eigenschaften wie Kreativität, Intelligenz, Sensibilität oder ähnlichem verantwortlich sind... so drohen sie ihre Gegenstände mehr oder weniger zu verraten... mehr

"Unterricht über und mit Hilfe von Bildern gibt deshalb Aufschluss und Erkenntnisse über die Welt und über uns selbst. Folglich kann als oberstes Ziel von Unterricht im Fach Kunst der Gewinn von Welt- und Selbsterkenntnis durch das Umgehen mit Bildern benannt werden."
Clemens Höxter: Kunst und Kunstvermittlung in der Schule. Möglichkeiten des Denkbaren und Machbaren. in: Fett, S. (2004). Bilden mit kunst. Bielefeld: Transcript-Verl. S.191
Die Formulierung ist etwas missverständlich, m.E. geht es vor allem um das Verständnis für die Funktionsweise von Bildern. Die meisten Bilder sind leicht verständlich - sie werden in der öffentlichen Kommunikation entsprechend eingesetzt. Nur das Paradigma Kunst unterstellt die Schwerverständlichkeit.
In der Kunstpädagogik wird deshalb gerne damit argumentiert, die Schülerinnen und Schüler müssten lernen, den Inhalt der Bidler zu verstehen... aber den verstehen die meisten, und deshalb haben sie Schwierigkeiten zu verstehen, was es da zu lernen gibt.

Ein üblicher Ausgangspunkt für Lehrer und andere Medienkonsumenten ist, sich darauf zu konzentrieren, ein "falsches" Bild, das uns die Massenmedien von der Wirklichkeit machen, als solches zu entlarven. Dieser Blick auf die Medien ist nicht sonderlich spannend. Besser ist es, davon auszugehen, dass die Medien ein bestimmtes Bild der Wirklichkeit zeigen und so unsere Wahrnehmung und deren Deutung strukturieren. Spannender ist es, herauszuarbeiten welches Bild die Medien vermitteln und dieses Bild offen (nicht in den engen Kategorien richtig - falsch, gut - schlecht) zu diskutieren.
vgl. Olson/Boreson (2004)
 
Wir stellen häufig Fragen, die sich mit dem Wesen der Dinge befassen, und eigentlich Fragen nach Begriffsdefinitionen sind. Beispiel: Was ist ein Bild? Derartige Fragen sind in der Regel schwer oder gar nicht zu beantworten - offensichtlich leben wir auch recht erfolgreich ohne ihre Beantwortung. Es kann hilfreich sein, sie durch andere Fragen zu ersetzen: Wozu verwenden wir Bilder? Wo befinden sich Bilder? Wer macht Bilder? Wann verwenden wir Bilder? &c. Ähnlich verhält es sich mit der Frage: Was ist Kunst? Wir kommen weiter, wenn wir etwa fragen: Wozu wird Kunst verwendet? Wie unterscheiden sich Kunstwerke von anderen Bildern? Wie gehen wir mit Bildern um, wenn wir sie als Kunstwerke betrachten, wie gehen wir mit anderen Bildern um? Wer kann warum bestimmen, ob etwas Kunst ist oder nicht?

"Warum sollen wir uns mit der Bedeutung des Bildes beschäftigen? Obwohl Forschung und Praxis eine Schlagseite Richtung verbalen Ausdrucks hat, ist das wohl noch kein Argument dafür, dass das Bild dieselbe Aufmerksamkeit braucht? Die einfachste Antwort ist natürlich, dass wir die Bedeutung des Bildes gar nicht kennen, solange wir nicht gewisse Antworten auf die Frage haben. Eine stärker argumentierende Antwort ist, dass unsere moderne Zeit immer mehr von Bildern bestimmt wird. Moderne Informationstechnik macht die Herstellung von Bildern im Vergleich zu früher wesentlich einfacher."
(Wærn, Yvonne, Pettersson, Rune, Svensson, Gary (2004): Bild och föreställing – om visuell retorik, Lund: Studentlitteratur, S.9)

"Good sense about trivialities is better than nonsense about things that matter." (Max Beerbohm)

"Die Kultur der Gegenwart ist von der paradoxen Situation gezeichnet, daß sich unter der Bezeichnung Kunst eine eng begrenzte Sparte als institutionalisierte Hochkultur einen Speicherplatz in der Geschichte sichert, während eine Industrie, die auf Institutionen und Theorien nicht angewiesen ist, das alltägliche kulturelle Leben bestimmt. Erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, daß wer die Produkte dieser Industrie pauschal als Banalitäten oder Spektakel diffamiert, sich zwar einen Platz in den Nischen der Hochkultur erkämpft haben mag, aber dafür den größten Teil der Kultur des 20. Jahrhunderts an sich vorbeiziehen läßt.
Solange das Museum nach der Ordnung, die es sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zugelegt hat, Kultur erfaßt, speichert, ordnet, kauft und damit indirekt auch erzeugt, wird es auf die Kunst beschränkt bleiben, die keine andere Aufgabe kennt, als dem Museum zu dienen, und die außerhalb dieser Institution - vom Kunstmarkt abgesehen, der dem Museum vorauseilend nachstrebt - wenig gilt. Künstler sind innerhalb des institutionellen Gefüges auswechselbare Figuren, die das Märchen der Kreativität nachspielen und mit Erfolg belohnt werden, wenn ihre Produkte sich dem Bedarf es Museums anpassen."

Stefan Heidenreich (1998): Was verspricht die Kunst? Berlin Verlag, Berlin, S.215

Was hier über das Museum gesagt wird, lässt sich weitgehend auf die aktuelle Kunstpädagogik übertragen. Auch diese konzentriert sich auf einen kleinen ziemlich unbedeutenden Ausschnitt der Kultur und übersieht damit das meiste. Sie konstruiert in der Theorie der ästhetischen Erfahrung ein Lernen, dessen Erfolge sich kaum nachweisen lassen - was leicht damit begründet werden kann, dass die Mittel zu gering und die Umstände widrig sind. Die Kunstpädagogik rennt in der Auswahl der Gegenstände dem Museum hinterher und hilft bei dessen Legitimation mehr oder weniger erfolgreich mit.

F.B. 27.9.2006