| home geschichtliches zurück |
Ernst Röttger, Dieter Klanter:Das Spiel mit den Bildelementen - Die Fläche.Otto Maier Verlag Ravensburg 1969 |
|
| Beispiele (pdf) |
EINFÜHRUNG In
diesem Band soll die Fläche durch das Spiel mit den
bildnerischen Mitteln
erschlossen werden. In Entwicklungsreihen und Einzelbeispielen
wollen wir mit
den Ausdrucksmöglichkeiten dieses Bildelements
vertraut machen und dabei einen
Weg zeigen, der kreative Kräfte zu entwickeln, Phantasie und
Erfindungsgabe
anzuregen geeignet ist. Angesprochen sind alle, denen bildhaftes
Gestalten
Freude macht. Besonders Pädagogen mögen aus diesem
Bande Nutzen ziehen. Unter
den Bildelementen kommt der Fläche eine besondere Bedeutung
zu. Der Begriff
„Fläche" hat hier einen Doppelsinn. Wie Punkt, Linie
und Farbfleck ist
„Fläche" als Grau- und Schwarzfleck bildnerisches
Ausdrucksmittel im
Zusammenhang eines Formgefüges. Zugleich aber ist
„Fläche" Untergrund und
Träger aller Bildkompositionen in jeglichen Bereichen
der Graphik und Malerei,
und darüber hinaus auch in den Bereichen der Plastik und
Architektur. Das
gestaltende Spiel mit der Fläche ist unerschöpflich.
Der vorliegende Band kann
daher nur bescheidene Anregungen geben, Hinweise auf
Möglichkeiten für Laien
und Lehrer, sich mit der Fläche gestaltend
auseinanderzusetzen. Aufwendige
Verfahren werden nicht behandelt. Wir haben uns vielmehr
bemüht, elementare
Spielfolgen zu entwickeln, die bei aller Einfachheit in den technischen
Verfahren geeignet sind, die Vielgestaltigkeit der Formen und
Formzusammenhänge
bewußt zu machen. Der
Band bringt Beispiele für das Gliedern der Fläche
selbst, das Anordnen von
fleckhaften, organischen und geometrischen Flächenformen auf
der Grundfläche
vom Schwarz-Weiß-Kontrast bis zu sensibler Graustufung und
Strukturbildung. Bei
einer Reihe von Übungen wird die enge Verwandtschaft mit
Struktur- und Formbildungen
in der Natur überraschen. Das gilt besonders für die
Spielfolgen, die sich mit
dem Fleck, dem Abzug und dem Faltdruck befassen. Parallel zum Naturgeschehen scheinen sie
uns vorzüglich geeignet, auf Beziehungen
zwischen Bild- und Naturgesetzlichkeit aufmerksam zu machen. Flächengliederungen
bleiben in dieser Buchreihe nicht auf diesen Band beschränkt.
Wir weisen hier
besonders auf die Kapitel „Spaltverfahren" und
„Transparentarbeiten"
des Bandes „Papier" hin, die
uneingeschränkt auch als diesem Bande
zugehörig betrachtet werden können. Im
Text der einzelnen Kapitel sind vornehmlich die bildnerischen Verfahren
und
Gestaltungsvorgänge unter formalem Aspekt
berücksichtigt. Es soll daher
Generelles, für alle Aufgaben Gültiges über
das Wesen des Spiels und die Art
der Aufgabenstellung gesagt werden. Unser Spiel nimmt einen anderen
Ansatz als
die Gestaltungsaufgabe, die von einer festen Bildvorstellung ausgeht
und die
bildnerischen Mittel der Bildidee unterordnet. Es geht von den
Bildmitteln
selbst aus und sucht nach ihnen gemäßen
Ausdrucksmöglichkeiten. Dieses Spiel
ist nicht zweckgerichtet. Es bleibt im Ergebnis offen und
gewährt damit ein
weithin unbeschwertes Tun, das nicht vom Zwang, ein gestecktes
Ziel erreichen
zu müssen, bedrängt ist. Im Spiel werden Entdeckungen
gemacht. Es hält
Überraschungen bereit. Der Zufall beschenkt. Das Erfahrene und
Zugefallene wird
gewertet, in Besitz genommen und bewußt angewandt. Es
inspiriert zu neuen
Wegen. Die Erlebnisse im Tun sind in diesem Spiel höher zu
bewerten als das
sichtbare Ergebnis. Für
ein sinnvolles Spiel müssen Ordnungen gesetzt werden. So wird
auch das Spiel
mit den bildnerischen Mitteln durch Regeln gesteuert, damit im
rechten
Verhältnis von Freiheit und Bindung eine disziplinierte
Auseinandersetzung mit
den Bildmitteln möglich wird. So kann auch erfahren werden,
daß bildhaftes
Gestalten - in der sinngemäßen Definition von
Gropius - nicht Willkür bedeutet,
sondern auf freier Bewegung innerhalb streng
gesetzmäßiger Begrenzung beruht. Spielregeln
müssen eindeutig sein. Sie stecken den Bewegungsraum ab,
dessen Grenzen für
jeden verbindlich sind. Im einzelnen werden sie die
Werkstoffe, die Werkzeuge,
die Verfahren, die zu verwendenden Bild- und Formelemente und
deren Ordnungen
festzulegen haben. Auch
dieser Band
ist wie die übrigen der Reihe ganz vom Bilde her konzipiert.
Information und
Anregung sollen primär vom Bilde ausgehen. Das Wort bleibt auf
die nötigsten
Erläuterungen beschränkt. Die
Abbildungen zeigen Ergebnisse von Spiel- und
Gestaltungsaufgaben, die mit Kindern, Jugendlichen,
Erwachsenen, Laien und
Studenten durchgeführt wurden. Wir haben sie nach formaler
Qualität ausgewählt.
Sie sollen Beispielcharakter haben. Wir können
bloßes Nachahmen nicht
verhindern, jedoch liegt hier die Gefahr der Verkümmerung zum
Formalismus, zum
Klischee. Das Prinzip des Spiels mit den bildnerischen Mitteln
schließt eine
mechanische Aneignung im Sinne des Vor- und Nachahmens aus. Es setzt
gerade die
produktiven Kräfte frei, die das eigene Tun, das Selbstfinden
und Entdecken
bedingen. Nur so darf es verstanden werden.
|
|