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Kreisverkehr

Bild oder Kunst
Websites zur Rondellhundbewegung:
http://www.rondellkonst.se
http://www.rondellhund.se

ein deutschsprachiger Text von Lars Vilks:
Gute Kunst


Bilder als Prädikate
Seit Ende August 2007 ist der schwedischer Künstler Lars Vilks auch in den deutschsprachigen Medien präsent. (seit 31.8.2007 hat er einen eigenen Eintrag in wikipedia.) Hintergrund ist, dass die neben stehende Zeichnung in einer Ausstellung im Heimatmuseum von Tällerud im schwedischen Värmland zum Thema "Der Hund in der Kunst" nicht ausgestellt wurde (die Zeichnung wurde bei der Eröffnung am 20. Juli 2007 kurzfristig enfernt). Daraufhin wurde sie in einem Zeitungsartikel über Selbstzensur und Religionsfreiheit abgedruckt. Anschliessend kam es zu Protesten von Muslimen. Ende August wurde die schwedische Botschafterin in Teheran eingestellt. Am 15.9.2007 wurde auf Lars Vilks Ermordung ein Kopfgeld von 100.000 $ ausgesetzt.

Anhand dieser Zeichnung lässt sich Vieles zu Kunst und Bild lernen.
zeichnung von lars vilks
Bild und Bildtitel
Es handelt sich um eine Federzeichnungen auf einem DIN A4 Blatt. Die Ausstellung der Zeichnung lässt sich je nach Standpunkt als künstlerisch genial oder nachlässig schlampig bezeichnen. Zu erkennen ist ein Kopf mit Bart und Turban. Dieser sitzt auf einem Körper mit zwei Extremitäten. Im Hintergrund sind ein Haus ein oder mehrere Autos und Berge erkennbar. Der Bildtitel lautet "Mohammed als Rondellhund" - darunter versteht man seit 2006 Hunde, die von anonymen Künstlern überall in Schweden in die Mitte von Kreisverkehrflächen gestellt werden. mithilfe des Titels können wir den Körper als und verstehen; die Striche neben dem rechten Vorderbein können wir jetzt als rechtes Hinterbein identifizieren. Wir sehen auch die Verkehrsinsel als solche.
Die Provokation entsteht offensichtlich erst durch den Tittel, das Bild selbst ist wenig aussagekräftig. Stellen wir uns ein leeres Blatt Papier vor, unter dem verschiedene Titel stehen. "Bush im Schneesturm." oder "Der Prophet im Nebel." durchaus denkbar, dass ein derartiges " Werk" provozieren könnte.
Offensichtlich fühlt sich niemand durch die Machart der Zeichnung provoziert.

nach Angaben von Lars Vilks handelt es sich hier um eine Variante im Barockstil
Bild oder Kunst
Lars Vilks ist ein Konzept-Künstler, der seit Beginn der 1980er Jahre mit seinem Projekt Nimis (und den Folgeprojekten Arx und Ladonien) der Frage nachgeht, was Kunst ist, bzw. was die Gesellschaft als Kunst akzeptiert. Seine Doktorarbeit (Konst & Konster) von 1987 handelt von der institutionellen Kunsttheorie. Diese Zeichungen gehören in diesen Zusammenhang. Eigenartigerweise platziert er seine Provokationen sehr häufig in lokalen und regionalen Institutionen. Nimis steht in einem Naturschutzgebiet, die Zeichnungen sollten in einem Heimatmuseum ausgestellt werden. Kunstvereine in der Provinz  sind eher Teil der Peripherie des Kunstsystems. Sollen damit die eher zentrumsfernen Teile des Systems provoziert werden?
in seiner Doktorarbeit unterscheidet Lars Vilks zwischen Bildern, die als Kunst verwendet werden, und solchen, die nicht als Kunst verwendet werden. Bilder, die als Kunst verwendet werden, werden indirekt auf die Konzeption von Wirklichkeit bezogen. Kunstwerke sind so gesehen nicht wortwörtlich zu verstehen. Wer sich von den Zeichnungen provoziert fühlt, betrachtet diese nicht als Kunst, sondern als Bilder, die mehr oder weniger wortwörtlich gemeint sind.
Dieser indirekte Modus, mit dem Kunst in unserer Kultur verwendet wird, schützt die Kunst einerseits, schützt aber auch die Kultur vor der Kunst. Das was Künstler äußern, müssen wir nicht ernst nehmen, können wir als Spiel verstehen. Viele Künstlerinnen und Künstler wollen allerdings mit ihrer Kunst etwas erreichen, wollen auf die Welt Einfluss nehmen. Deshalb müssen sie daran interessiert sein, dass ihre Werke ernst genommen werden, was bedeuten kann, dass sie nicht als Kunst verstanden werden. Ein Dilemma.

Der schwedische Künstler Stig Ramsing hat in Südschweden einen Rondellhund als Jesus aufgestellt und signiert.

zwei stühle
Bildunterschrift dieses Fotos von Lars Vilks:
Zwei Propheten
Kontexte
Der Kontext, in dem diese Zeichnungen auftauchen, ist zum einen das Kunstsystem, zum anderen der Karikaturenstreit, und zum dritten die Mode der Rondellhunde in Schweden.
Die Art, wie die Zeichnungen hergestellt sind - Federzeichnungen -, hat einige Journalisten dazu verleitet, sie als Karikaturen zu verstehen. In einigen deutschen Pressebeiträgen wurde Lars Vilks als schwedischer Karikaturist bezeichnet.
Rondellhunde auf Kreisverkehrsflächen aufzustellen, ist seit 2006 ein in Schweden weit verbreitetes Phänomen: anonyme " Künstler" stellen überall in Schweden in der Mitte von Kreisverkehrsflächen Hunde auf. Hier handelt es sich wohl auch um eine Kritik an öffentlich verordneten Kunst.

Rondellhund in Malmö
Übungen Überlegen Sie sich für die Zeichnungen von Lars Vilks Titel, die nicht provozieren.
Verändern Sie die Zeichnungen so, dass sie nicht mehr als Provokation aufgefasst werden können.
Wählen Sie aus Zeitungen beliebige Bilder und überlegen Sie, wie Sie mit Hilfe von entsprechenden Bildunterschriften unterschiedliche Personengruppen er ärgern oder provozieren können. Lehrer, Politiker, öffentliche Personen, Mitschülerinnen und Mitschüler, Berufsgruppen, politische Gegner, und so weiter.

Diskutieren Sie die Frage, inwiefern die Freiheit der Kunst höher zu bewerten ist als die Gefühle verschiedener Personengruppen. Wo verläuft Ihrer Meinung nach die Toleranzgrenze?

Bildunterschrift: Ein Schwede als Rondellhund

eine kubistische Variante.

Bildunterschrift:
Der Prophet Mohamed als Übermensch
"Der norwegische Künstler Thomas Kvam demonstriert uns hier einen möglicherweise gangbaren Weg für eine neutralen Abbildung des Propheten. Das Werk wurde im Kunstlaboratorium Vestfossen in Norwegen im August 2007 gezeigt. In der gleichen Ausstellung Oh my god zeige ich eine Reihe Mohamed Zeichnungen. Überhaupt keine Proteste." Lars Vilks
Die Zeichnung des Propheten Mohamed in unsichtbarer Tinte.

Lars Vilks als Rondellhund

weitere Karikaturen über Lars Vilks auf www.flickr.com
Franz Billmayer, 26.9.2007