| bildunterricht interessantes |
MahnbilderBilder als Instrumente |
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| Motivationsbilder | ![]() Hier klickenund Sie sehen das Bild insgesamt. Beachten Sie die eigenartige Gehrichtung der beiden Kinder (Hänsel und Gretel), die sich aus den Erfordernissen des Schlafzimmerbildes ergeben. - Wenn sie weitergehen, dann stürzen sie beim übernächsten Schritt in die Fluten. |
Traditionell werden in der
Kunstpädagogik wie in der Kunstwissenschaft Bilder als Texte
behandelt - wir interessieren uns für die Aussage, die Bedeutung
des Bildes weniger für ihren Gebrauch, ihren instrumentellen
Charakter. Bilder wie dieser Öldruck von zwei Kindern (Bub und Mädchen) mit Schutzengel gehörten bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Grundausstattung vieler Kinderzimmer. Meist waren sie über dem Bett angebracht. Immer sind die Kinder in einer mehr oder weniger gefährlichen Situation, auf einer Brücke, im Fels oder am Wasser, im Hintergrund wie hier ein Gewitter. Gefahren, vor denen die Kinder regelmäßig gewarnt wurden, das Bild diente zur dauernden Ermahnung und Erinnerung an diese Gefahren. - Die Gefahren sind allerdings immer vorindustriell archaisch: Brücke, Unwetter, Abgrund, Wasser. Daneben vermittelte der allgegenwärtige Schutzengel Sicherheit. (siehe Text weiter unten zum Bildgebrauch) War man noch einmal davon gekommen, dann sagte unsere Tante immer: "Da habt Ihr aber einen Schutzengel gehabt..." |
![]() Der gute und der schlechte Beter, Holzschnitt, Deutschland 1430-1460 |
„Die Details informieren über das, was im 15. Jahrhundert
Sozialprestige ausmachte: Pferd und Sattel, Weinfass, Geldkisten, schöne
Kleider, gutes Essen &c. Aber das Bild illustriert keine Aufzeichnung eines
mittelalterlichen Hausstandes. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf die zwei Männer,
die vor dem Kruzifix knien. Die Handhaltung zeigt, dass sie beten. Ihre
Kleidung verrät, dass der eine reich und der andere arm ist. Als einzelne
Gestalten betrachtet können wir dagegen nicht entscheiden, ob der eine fromm
und der andere weltlich ist. Die Linien, die die beiden Männer mit ihrer
Umgebung verbinden, zeigen dagegen, dass sie ihre Gedanken in unterschiedliche
Richtungen lenken. Der Reiche denkt an das Pferd und das Zaumzeug im Stall, an
das Geld in der Kiste, an die Kleider in der Kleiderkammer. Der andere hat
keine irdischen Besitztümer, an die er denken könnte. Seinen Gedanken richten
sich dagegen auf den Heiland und sein vergossenes Blut. Durch den Vergleich der
beiden Bildseiten verstehen wir auch ohne erklärenden Text, dass das Bild einen
schlechten bzw. guten Beter darstellt.
Aber der Zweck des Bildes ist nicht, davon zu berichten, dass einmal ein armer Mann lebte, der sein Herz bei Christus hatte, und ein anderer, der vor allem seine irdischen Besitztümer liebte. Das Bild will auch nicht sagen, dass gute bzw. schlechte Beter gegeben hat oder gibt. Die Absicht besteht darin, dass der Betrachter sich mit einem der beiden identifiziert und sich die Frage stellt: wem ähnliche ich am meisten? Das Bild ist ein „Mahnbild“ (deutsch im Original, FB). Es warnt den Betrachter davor, sich in seiner irdischen Vorratskammer sicher zu fühlen, und mahnt ihn, sich auf Christus zu verlassen. |
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Ein jüngeres Beispiel für ein Bild als Instrument kann ich
aus meinem eigenen Kinderzimmer beitragen. Über meinem Bett hing ein Öldruck, den
die Mutter bei einem Hausierer für ein paar Kronen gekauft hatte. Er zeigte
einen Buben, der einen Schmetterling jagte, und ein Mädchen, das Blumen
pflückte. Es handelte sich um gesunde und frohe Kinder in einer idyllischen
Landschaft, und ich konnte mich leicht in dem Buben wieder erkennen und meine
Schwester in dem Mädchen. Noch ein Schritt und die Kinder wären abgestürzt und
ertrunken. Auch das war leicht zu verstehen. Auf der einen Seite unseres Haus
floss ein Bach, der im Frühjahr und Herbst reißendes Wasser führte, auf der
anderen Seite unterhalb des Hanges lauerte der See. Wir wurden andauernd vor
dem Bach und dem See gewarnt.
Aber wollte uns das Bild nur dazu ermahnen, beim Spielen vorsichtig zu sein? Nein, die Erfahrung hatte uns gelehrt, dass das Unglück dennoch passieren könnte. Ein Spielkamerad war im See ertrunken, als das Eis brach und ein anderer erstickte in der Kiesgrube, in der wir immer spielten. Gleichwohl waren wir nicht ausgeliefert. Hinter uns stand der Schutzengel mit seinen ausgestreckten Flügeln….“ (Bringéus, N. (1981). Bildlore.
Södertälje: Gidlunds. S.23f) Übersetzung F.B.
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![]() Ein beliebtes Mahnbild sind die zwei Wege. Zwei Wege zum Himmlischen Jerusalem. Kolorierter Holzstich und Typensatz. Reutlingen letztes Viertel 19. Jh. |
![]() F. Leiber, Die zwei Wege, Chromolith, um 1890. (aus Brückner, W. (1974). Elfenreigen Hochzeitstraum. Köln - Farbtafel 8) Klicken auf Bilder ergibt größere Ansicht |
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![]() Ein eigenartig reduziertes Bild - Sächsisches Museum für Volkskunst Dresden - zeigt einen Hauslehrer, ein Mädchen und eine sitzende Frau (Mutter und Tochter). Offensichtlich muss das Mädchen vorführen, was es gelernt hat. Ein Bild mahnt vor der häuslichen Prüfungssituation und damit zum Lernen. mehr dazu |
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Beispiele für aktuelle Mahnbilder |
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![]() Diese Zeichnung findet sich in einem Salzburger Kindergarten auf der Toilette. |
![]() ![]() Beschreiben Sie, wie diese Bilder argumentieren. In welcher Situation werden Sie eingesetzt? Was erwarten sich die Bildverwender von diesen Ermahnungen? |
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| Suchen Sie weitere Bilder, mit denen wir heute ermahnt werden. Und schicken Sie diese zur Veröffentlichung an meine Adresse. Beschreiben Sie, wodurch Mahnbilder sich von Bildern unterscheiden, die uns informieren wollen oder die etwas darstellen. | ||
| franz.billmayer@moz.ac.at | Franz Billmayer 6.6.2007 zuletzt geändert am 25.12.2007 |