| home |
Museen und Ausstellungen sehen |
Museum als MediumKunst abhängig vom Museum |
Museen und andere
Ausstellungen
verbergen sich wie viele andere Medien auch hinter ihren Inhalten.
Dabei sind das Museum und die daraus abgeleitete Kunstausstellung
für die Kunst konstitutiv. Das Museum und die in ihm und durch
es
erzeugten Aufmerksamkeiten und Behandlungsroutinen machen die Kunst.
wie wir sie heute kennen überhaupt erst möglich. Dies
wird
durch die Konzentration auf die Werke und die Biografien der
Künstler ziemlich erfolgreich verschleiert. Jeder Kunstunterricht, der sich der Aufklärung hinsichtlich des Einflusses von Medien auf unsere Weltsicht verpflichtet fühlt, muss das Museum als Medium thematisieren. Ein Bildunterricht sowieso. Heidenreich, S. (1998). Was verspricht die Kunst?. Berlin: Berlin-Verl. - der Autor, der leider seine Quellen selten offenlegt, konstruiert die Kunst vor allem als ein Reagieren auf das Museum. Für ihn ist das Museum der eigentliche Kunstproduzent, oder besser Auftraggeber, nach dem sich alle Künstlerinnen und Künstler richten müssen, wenn sie vom Kunstsystem wahrgenommen werden wollen. Die nachfolgenden Übungen sollen dazu beitragen, die Schleier lüften zu helfen. |
BesucherInnenverhalten |
Kunstmuseen und
Kunstausstellungen fordern von den Besuchern und Besucherinnen
bestimmte Formen des Verhaltens. Ohne Mühe können wir
die
BesucherInnen aufgrund ihrer Bewegungen von Personen unterscheiden, die
im Museum arbeiten. Verfolgen: Suchen Sie sich am Eingang jeweils eine Person aus (die nächste dunkelhaarige Frau) und verfolgen Sie sie durch die Ausstellung, notieren Sie, wie lange sie vor den jeweiligen Exponaten steht; wie das Verhältnis zwischen Betrachten und Lessen ist. Wie lange bleiben die BesucherInnen im Durchschnitt in einer Ausstellung oder einem Ausstellungsraum? Beobachten: Eine Variante zum Verfolgen könnte sein, sich längere Zeit in einem Ausstellungsraum aufzuhalten und das Verhalten von BesucherInnen genauer zu dokumentieren: Nachmachen: Beobachten Sie die BesucherInnen jeweils genau hinsichtlich Körperhaltung und Bewegung, notieren Sie Ihre Beobachtungen und spielen Sie das Verhalten später. Zuhören: Hören Sie auf das, was die BesucherInnen zueinander sagen und schreiben Sie dies auf. |
Museumsarchitektur |
Beschreiben Sie den
Eingang
und die Sequenz "ich
betrete ein Museum" vom
Überschreiten der Schwelle bis zum Betreten der Ausstellung.
Beschreiben Sie diese Sequenz als Übergang von Außen
nach
Innen, als Übergang vom Profanen zum Geweihten, als
Reinigungsprozess... Drehen Sie eventuell einen kleinen Videofilm als
Dokumentation, als Information für ungeübte
Museumsbesucher,
als Parodie, als versteckte Kamera... Welche Materialien werden in den jeweiligen Museen und in den jeweiligen Bereichen verwendet? Boden, Wände, Sessel, Handläufe, Toiletten, Leuchten. Welche Farben kommen zum Einsatz? Dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen mit der Fotokamera und versuchen Sie in der anschließenden Präsentation verschiedene Erklärungen. Welche "Bedeutung" haben die jeweiligen Medien? Mit Hilfe des Austauschtests lassen sich sehr schnell die einsprechenden Bedeutungen (kulturellen Assoziationen) bestimmen. Vergleichen das Museum mit anderen öffentlichen und privaten Gebäuden hinsichtlich der Materialverwendung. Wie sind die Sitzmöglichkeiten? Welche Formen des Sitzens ermöglichen sie/ verhindern Sie? Wo stehen sie? Wie unterscheiden Sie sich von Sitzmöglichkeiten in anderen Gebäuden? Wie unterscheiden sich Kunstausstellungen von anderen Ausstellungen - Gewerbeschauen, Messen, Verkaufsstellen, Autosalons, Naturkundemuseen... ? |
Ausstellungsgestaltung |
Beschreiben Sie die
Ausstellungsgestaltung der einzelnen Räume und
überlegen Sie
mehrere Alternativen. Schreiben Sie eine negative Kritik eines von
Ihnen ausgewählten Raumes; tauschen Sie diese mit einer
Kollegin
oder einem Kollegen und schreiben Sie zu dessen Kritik eine
Begründung für die jeweilige Hängung. Betrachten Sie die Rahmen und versuchen Sie ein stilistische Beschreibung. Wie sind die Bilder gehängt? Unterkante, Mittellinie oder Oberkante? Wie hängen die Bilder im Verhältnis zu Ihrer Augenhöhe? Welche Bilder hängen in der Mitte der Wände oder haben sonst wie prominente Ausstellungsorte? Stellen Sie Vermutungen darüber an, warum das so ist. Wo sind die Titel angebracht? Was ist auf den Schildern vermerkt? Wie sind die einzelnen Bilder beleuchtet? Beschreiben Sie möglichst vollständig die Methoden, mit deren Hilfe die Exponate inszeniert werden. Schätzen Sie das Verhältnis der leeren Wandflächen zu den Flächen, die von den Bildern bedeckt sind. |
Rhetorik |
Beschreiben Sie das
Museum oder
die jeweilige Ausstellung mit dem Begriffinstrumentarium der Rhetorik: rhetorische Situation - welches drängende Problem soll mit Hilfe der Ausstellungs- und Museumsarchitektur gelöst werden. Die Museumsarchitektur kann dabei als grundlegendere Rhetorik die Ausstellungsarchitektur eher als situationsbezogen verstanden werden. Aristoteles unterscheidet drei Überzeugungsmittel: Ethos: die Botschaft ist überzeugend, weil der Charakter/ das Image des Senders überzeugt. Mit welchen Mitteln versucht das Museum seine Besucherinnen und Besuchern von seiner Ernsthaftigkeit, Wichtigkeit und Glaubwürdigkeit zu überzeugen? Pathos: die Botschaft ist überzeugend, weil sie das Publikum betrifft, weil das Publikums emotional angesprochen wird Logos: die Botschaft argumentiert, mit welchen sachlichen Argumenten versucht das Museum zu überzeugen? Welche Rolle spielt der Museumsshop in der Rhetorik? siehe auch: Schularchitektur rhetorisch betrachtet |
Macht |
Untersuchen sie die
ausgestellten Arbeiten und ordnen Sie sie nach
Herkunftsländern
und Geschlecht der Künstlerinnen und Künstler.
Berücksichtigen Sie auch die Größe der
Arbeiten. Welche
Zusammenhänge können Sie feststellen? Welche anderen
Fragen
hinsichtlich Macht und Einfluss lassen sich fomulieren? |
Wie sieht Kunst aus? |
Überlegen
Sie, woran Sie den
"Kunstcharakter" der Ausstellungsstücke erkennen
würden, wenn
diese woanders gezeigt oder aufbewahrt würden. Bei welchen
Arbeiten hätten Sie warum Schwierigkeiten? Welche werden
überall in unserer Kultur als Kunstwerke erkannt? Beziehen
sich
die Wiedererkennungsmerkmale auf formale, materiale, mediale,
inhaltliche Kategorien? siehe auch |
| über
weitere Ideen freut sich franz.billmayer@moz.ac.at zuletzt geändert 16.3.2007 |