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Ausstellungen machen – sich ein effektives Schaufenster schaffen

Ausstellungen sind die zentralen Einrichtungen des Kunstsystems, in ihnen werden die Werke sichtbar. Auf den Eröffnungen trifft sich die Szene. Ohne sie gäbe es das Kunstsystem im heutigen Sinne nicht. Sie sind das Zentrum der Kunstöffentlichkeit. Das Prinzip Ausstellung ist natürlich nicht auf die Kunst beschränkt; es bestimmt die Konsumkultur ebenso wie die private Selbstdarstellung. In einer Welt multimodaler Kommunikation (Kress 2010) gehören Ausstellen und Präsentieren fast schon zu den Kulturtechniken.
Plädoyer für verschiedene Ausstellungsformate (auch Anregungen für schulische Ausstellungen)
 

Absichten

Ausstellungen können grundsätzlich unterschieden werden
  • in solche, die sich eher nach innen - also an die eigene Schule -, und 
  • solche, die sich eher nach außen richten.
Wobei alle Ausstellungen mit Schülerarbeiten unabhängig vom Zielpublikum einen hohen internen Stellenwert haben (Ansehen in der Schule, Lernmotivation &c.) Sie sollen Aufmerksamkeit schaffen und damit für den Aussteller werben; und sie sollen Anreize für Anstrengungen schaffen.
Es gilt: Erfolgreiche Künstler machen Ausstellungen; aber: Ausstellungen machen Künstler auch erfolgreich, weil sie von ihnen entsprechende Leistungen fordern und ihr Ansehen mehren. Analoges gilt für Schülerinnen und Schüler.

Werbung

Die Werbung geht in zwei Richtungen:
  • LehrerInnen und SchülerInnen sollen entsprechende Anerkennung bekommen,
  • der Bildunterricht als solcher soll entsprechende Anerkennung und Würdigung finden. Bei den SchülerInnen, den LehrerInnen der anderen Fächer, der Schulleitung und bei den Eltern; es geht aber auch um das Ansehen des Faches im Allgemeinen.

Ausstellen als Unterrichtsmethode

SchülerInnen haben mehr Grund, sich anzustrengen und mehr zu leisten, wenn ihre Arbeit öffentlich präsentiert werden. Das ist eine Konkurrenzsituation.
Ausstellungen stellen außerdem die Unterrichtsergebnisse in ein anderes Licht, erzeugen Zusammenhänge, die im Unterricht so nicht entstehen, und sind damit eine eigene Unterrichtsmethode. Es nicht gleichgültig wo und wie ausgestellt wird.
„Fertig ist das Bild im Nu, schön wird’s erst durchs Passepartout.“

Wie machen es die Anderen?

Viele Ausstellungen sind schlecht gemacht, dabei lassen sich mit einfachen Mitteln Verbesserungen erreichen. In Schulausstellungen finden die Besucher leichter Zugänge, wenn ihnen Erklärungen angeboten werden, wenn die Arbeiten thematisch geordnet sind, usw. Anregungen lassen sich nicht nur in Kunstausstellungen finden, sondern in allen Formen von Ausstellungen, von regionalen Gewerbeschauen bis hin zu Schaufenstern.
Bei Ausstellungs- und Museumsbesuchen werden immer auch die Ausstellungsgestaltung und -strategie diskutiert.

Ausstellungsraum

Schulflur mit Bildern an den Wänden
besser nichts als so

Ausstellungen von Unterrichtsergebnissen finden üblicherweise im eigenen Schulhaus statt. Hier können im Laufe der Zeit - mit Unterstützung der Schule, von Sponsoren und Eltern - mehr oder weniger klassische Galeriebedingungen geschaffen werden: mit Beleuchtungs- und Hängesystemen, hervorgehobene Orte für das Bild der Woche und so weiter.
Bilder in einer Reihe mit gleichen Abständen an den Wänden entlang aufgehängt nutzen sich in der täglichen Routine schnell ab.Oft Wechseln schafft hier Abhilfe.
Die Räume der Schulleitung sind in der Prestigehierarchie  weit oben. Dort werden die Arbeiten vor allem von offiziellen Besuchern gesehen. Durch deren Fragen kommt das Fach immer wieder auch ins Bewusstsein der Schulleiterin oder des Schulleiters. Die Arbeiten sollten also so ausgesucht werden, dass sie Fragen provozieren. Regelmäßiger Wechsel ist selbstverständlich.

Außergewöhnliche Orte

Für besondere Events und Themenausstellungen bieten sich ungewöhnliche Orte an: Heizraum, Tiefgarage, Turnhalle, Biologiesammlung ... Um Aufsehen auch in den Medien zu erreichen, kann man sich um Orte außerhalb der Schule bemühen. Dabei kann man auf prestigeträchtige Orte wie das Rathaus, lokale Museen, Banken oder andere öffentliche Einrichtungen setzen oder auf ungewöhnliche Orte: das kommunale Wasserwerk, die Kläranlage, der Müllumladeplatz, ein Handwerksbetrieb, ein Leichenschauhaus, eine Tiefgarage, Schaufenster verschiedener Läden, die Werbeflächen von Linienbussen, in den Kabinen einer Seilbahn, Schwimmbad… Die Ausstellungen können thematisch mit den Orten verbunden werden – umgekehrt kann der Ausstellungsort ein Thema vorgeben: Naturstudien in der Biologiesammlung, Umweltschutz in der Kläranlage. Denkbar wären auch Gastausstellungen in anderen Schulen. - Für die Lokalpresse sind das immer gute Anlässe für kleine Berichte: Kinder, Jugendliche, SchülerInnen, Ausstellung, die Orte, Kunst und Bildung ... ergeben eine unwiderstehliche Mischung.
Bei der Besichtigung der Räume sollte unbedingt berücksichtigt werden, wie die klimatischen und jahreszeitlichen Bedingungen zum geplanten Zeitraum sind. Es kann kalt sein, oder zu hell oder zu dunkel...

Licht

Licht ist ein wichtiges Mittel der Inszenierung. Wenn das Tageslicht nicht reicht, wird es nötig sein, entsprechende Beleuchtungssysteme anzuschaffen und einzurichten. Hierfür könnte anlässlich von Ausstellungseröffnungen gesammelt werden, so kann sich im Laufe der Zeit die Schulgalerie immer weiter im Schulhaus ausbreiten (Bilder werden nur gezeigt, wo die Ausstellungseinrichtung schon angekommen ist).
Eventuell sollte auch an dunkle Ecken gedacht werden. Ein fest installierter Diaprojektor, der die Bilder automatisch weiter transportiert, kann ein einfacher und effektiver Einstieg in den Aufbau einer Schulgalerie sein. Wer Glück hat, kann noch Kodak-Karusell-Projektoren bekommen. Jetzt wo die Firmen auf PowerPoint umgestiegen sind, sollten sie günstig gebraucht zu bekommen sein.

Wie bewegen sich die Leute im Raum?

Für die Frage, was wie präsentiert werden soll, ist es wichtig sich darüber vorher Gedanken zu machen. Es macht einen Unterschied, ob sich die Ausstellung vor allem an die Mitglieder der Schule richtet oder ob sie zu einer besonderen Schulveranstaltung veranstaltet wird. Noch wichtiger ist die Beantwortung dieser Frage bei außerschulischen Ausstellungsräumen. Die Besucher sollten dazu veranlasst werden, sich im Raum zu bewegen; d. h. die Ausstellung sollte nicht von einem Punkt aus überblickt werden können, dann besteht die Gefahr, dass das Publikum schnell wieder draußen ist oder gar nicht herein kommt. Die Besucher sollen zu aktivem Verhalten verleitet werden.

Anlass und Ziel von Ausstellungen

Vier Gründe

Vor der konkreten Planung einer Ausstellung muss klar sein, was der Anlass ist und welche Ziele damit verfolgt werden. Grob gesehen lassen sich folgende Motive unterscheiden: 
  1. die Schulleitung erwartet es; 
  2. die Ausstellung macht Lehrerinnen und Lehrern und deren Schülerinnen und Schülern Spaß;
  3. die Ausstellung soll Lernen und Engagement der Schülerinnen und Schüler anregen; 
  4. die Ausstellung soll Sie in Ihrer beruflichen Karriere weiterbringen.

Sich an andere dranhängen - Ziele

Die Ausstellung kann im Rahmen einer anderen Veranstaltung stattfinden, oder Sie kann auf eigene Initiative organisiert werden.
  • Richtet sich die Ausstellung vor allem an das interne Publikum, die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung?
  • Ist das Ziel die Steigerung der Qualität der Unterrichtsergebnisse und Belohnung für erbrachte Leistungen der Schülerinnen und Schüler, geht es darum, anderen Schülerinnen und Schülern zu zeigen, was im Unterricht geleistet werden kann: Stichwort: Lernen von den peers?
  • Oder sollen die  Kolleginnen und Kollegen des eigenen und der anderen Fächer von der Qualität des Unterrichts überzeugt werden?
  • Geht es um Ausschmückung der Räume, um sich unentbehrlich zu machen und so längerfristig Mittel für das eigene Fach zu lukrieren?
  • Oder soll vor allem ein Publikum außerhalb der Schule erreicht werden, die Ziele können hier ähnlich wie oben genannt sein?die Botschaft kann sich auch hier in erster Linie an die eigene Schule richten, aber es können auch andere Einrichtungen als Publikum gewonnen werden.

Ergebnisse?

Was soll am Ende herauskommen?
  • Ein Beitrag im Jahresbericht der Schule?
  • Eine Rezension in der Lokalpresse?
  • Eine positive dienstliche Beurteilung?
  • Eine eigene Publikation in einer Fachzeitschrift?
  • Dokumentationsbilder?
  • Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen, zu anderen Einrichtungen?
  • Lukrieren von Sponsorengeldern, von Materialspenden?

Hängen

Bis vor kurzem war der Aufbau einer Ausstellung gleichbedeutend mit Hängen. Mit Hammer und Nagel oder mit einer Hängevorrichtung an der Decke wurden Bilder an einer Wand befestigt. Das war ziemlich unkompliziert. Zu bedenken war, die Höhe der Hängung und ob die Bilder auf Unter-, Oberkante oder Mittellinie gehängt werden sollten. Bei Gruppenausstellungen wurden die verschiedenen Künstler mit einem etwas größeren Abstand untereinander gekennzeichnet. Nachdem das Bild die Kunst vermittelte und der Rahmen das Bild von äußerlichem Einwirken schützte, konnte man ziemlich dicht hängen. Schülerarbeiten werden traditionell immer noch so gehängt.
Heute ist das Hängen einer Ausstellung komplexer. In den 1980er Jahren kam die „freie Hängung“ auf, was bedeutete, dass man hängen konnte, wie man wollte. Diese Freiheit hat die Anforderungen an eine gute Hängung erhöht. Hängen wurde professionalisiert: die Hängung ist ein Teil der Ausstellung. Gleichzeitig besteht weiterhin der Großteil aller Ausstellungen aus viereckigen Bildern, oft mit Rahmen, die an eine Wand gehängt werden. – Wie Ausstellungen mit Schülerarbeiten, die häufig eben viereckige Bilder sind. Auch konzeptionell ausgerichtete Ausstellungen beinhalten immer auch einige dieser traditionellen gerahmten Bilder.

Rahmen?

Sind Rahmen notwendig? Immer?
Üblicherweise erscheint eine Zeichnung, ein Foto oder eine andere Papierarbeit in einem Rahmen eher als einzigartiges Kunstwerk. Die Rahmung wertet auf, kann aber auch kontraproduktiv sein und über das Ziel hinausschießen, wenn man einen Zeitungsausschnitt einrahmt. Vor allem bei Ausstellungen mit konzeptuellem Schwerpunkt braucht nicht jedes Werk gerahmt sein. Man kann sich auch nur für Glas entscheiden.

Hängen

Wie hängen? Heute herrscht also die „freie Kompositionshängung“ vor. Man kann sich für eine traditionelle Art entscheiden, aber eine allzu symmetrische Hängung wird schnell langweilig. Alternativ können einige Bilder mit gleichem Format zu einer Gruppe gehängt werden und eines ein wenig herausstechen. Man kann auch einer chaosartigen Mischung auf einer Wand eine Wand mit reinen und glatten Flächen gegenüberstellen. Die Bilder können besonders tief oder hoch hängen - im Extremfall können sie über den Köpfen des Publikums hängen. Sie können senkrechte Linien bilden. Grundsätzlich wertet viel freier Raum um die Exponate diese auf - Raum ist einer der wichtigsten kulturellen Codes für Ansehen und Hierarchie - das kann der Rahmen sein oder die freie Wand.

wenige Formate

Es ist fast immer leichter, mit einer begrenzten Anzahl Formaten und einigen wenigen Hängesystemen eine schöne Ausstellung zu machen. Allzu viele Ungleichheiten lassen die Ausstellung auseinander fallen und wirken damit leicht amateurhaft.

Besucher sollen sich bewegen

Die Hängung kann die Wirkung der Exponate verstärken oder ihr entgegenarbeiten. Die Präsentation sollte erzählen, was man ausdrücken will. Es ist z. B. schwer, mit teuren Rahmen für eine Trashästhetik zu plädieren. Es ist immer vorteilhaft, wenn man das Publikum dazu bringt, sich im Raum zu bewegen. Die Besucher sollten möglichst nicht alles von einem Punkt in der Mitte des Raumes sehen können.

Die Besucher sollen aber auch stehen bleiben.

Bilder können eventuell auch verborgen sein, so dass die Betrachter etwa einen Vorhang zur Seite schieben müssen. Vor allem in Museen für Kinder kennen wir die Methode, die Exponate hinter kleinen Türchen oder in Schubläden zu präsentieren. Hier werden Neugierde und Forschertrieb aktiviert und ausgenutzt.

Thema

Schülerarbeiten haben fast immer ein Thema. Mittlerweile sind viele Ausstellungen der internationalen Gegenwartskunst kuratierte Themenausstellungen.Ein Ausstellungsthema lässt sich leicht in Unterthemen strukturieren. Die einzelnen Arbeiten werden in Gruppen gehängt und auf den Bildunterschriften entsprechend markiert. Durch Thema und Unterthemen werden Zugänge zur Ausstellung erzeugt, die neue Interpretationen und Sinnkonstruktionen anregen. Das verleiht der Ausstellung Aufmerksamkeit, Gewicht und Tiefe. Das Thema kann allgemein sein oder speziell und aktuell, letzteres erregt in der Regel die größere Aufmerksamkeit.

Titel

Der Titel sollte einprägsam sein, dies gelingt oft überraschend gut, wenn er aus zwei Wörtern besteht, oder kleine Irritationen enthält. Ideen findet man in der Werbung… leicht modifizierte Werbeslogans können gute Titel abgeben

Marketing

Wenn Ausstellungsthema, Exponate, Datum, Ort, Zeiten und dergleichen geklärt sind, wird es ernst: Marketing. Allzu leicht verbraucht man seine Energie beim Aufbau, wenn die Offensive also die Vermarktung gestartet werden soll, kann diese leicht in den Hintergrund geraten. Das darf nicht passieren. Eine Ausstellung, von der wenige wissen und die wenige besuchen, bringt nicht viel. Man sollte 20-30% des Budgets – Geld, Zeit, Engagement – für die Vermarktung aufwenden. Ausformuliertes Material an die Medien und an die Personen schicken, die man für wichtig hält. Es passiert, dass plötzlich Sparwut ausbricht und man versucht die Portokosten für das Verschicken von Material und Einladungskarten zu senken. Das sollte man gemäß dem eisernen Grundsatz Verbreitung ist wichtiger als die eigentliche Ausstellung nicht tun. Emails soll man soviel wie möglich hinausdröhnen und man sollte versuchen, die Ausstellung auf eine (Schul-)Homepage zu bekommen, wo die ganze Information sowie das eine oder andere Kleine und Feine präsentiert werden kann. Denken Sie auch daran, in die Veranstaltungskalender der Medien zu kommen, die gratis sind. Veranstalten Sie selbst oder mit Schülerinnen und Schülern Führungen durch die Ausstellung. Vielleicht lässt sich auch jemand gewinnen, der während der Ausstellung einen kleinen Workshop veranstaltet oder einen Vortrag hält, so kommen auch nach der Eröffnung noch einmal Leute. Und man wird vielleicht nochmal in der Presse erwähnt.
Finissagen sind mittlerweile immer populärer.



Kosten

Versicherung

Es kann teuer und umständlich werden, eine temporäre Ausstellung in einem provisorischen Ausstellungsraum zu versichern. Manche Räume lassen sich nicht versichern, bevor man nicht in neue Schlösser investiert hat. Zu allererst sollte man schauen, welche Versicherungen eventuell schon da sind.

Genehmigung

Für viele Sachen braucht man eine Erlaubnis. Eine Genehmigung verursacht Kosten. Man kann die Genehmigung der Feuerwehr benötigen, wenn man ein Projekt mit Feuer macht. Wenn man sich nicht sicher ist, kann man die Gemeindeverwaltung fragen.

Einladungskarte

Hier lässt sich viel sparen. Viel lässt sich mit einem besseren Drucker machen. In vielen Fällen lässt sich der Gang zur Post ganz durch Einladungen via Email ersetzen. Aber diegedruckte Einladung hat eine physische und persönliche Seite, die nicht ersetzt werden kann. Man kann Flyer an Orten auslegen, die von der Zielgruppe frequentiert werden. Kreative Lösungen können hohe Druckkosten ersetzen: Stempel, einfach und effizient handkolorierte Fotokopien… Im Internet findet man leicht spezialisierte Druckerei, wo die Karten wenig kosten.

Dokumentation

Man sollte drauf achten, gute Dokumentationsbilder in guter Qualität zu bekommen, die sich für den Druck in Zeitungen, im Jahresbericht und in Katalogen eignen. Wenn man keine gute Kamera hat, sollte man sich beizeiten nach jemandem umschauen, der eine solche hat.

Sonstiges

10-20% des Budgets für die eigentliche Aufbauwoche aufheben. Die Erfahrung zeigt, dass einem in dieser Phase die Kosten davon laufen können. Die Technik haut nicht hin. Die versprochene Technik gibt es nicht. Die Arbeit kann sich durch die lächerlichsten Kleinigkeiten verzögern, Dübel gehen aus, oder sie haben die falsche Größe, der Bohrfutterschlüssel der Bohrmaschine ist verschwunden…

Literatur

Kress, Gunther: Multimodality- Exploring contemporary methods of communication, London: Routledge, 2010.
Architekturbiennale Venedig 2006
Architekturbiennale in Venedig 2006

Ausstellen als Unterrichtsgegenstand

Visuelles Kommunizieren, Inszenieren und damit Ausstellen sind wesentlicher Inhalt des Bildunterrichts. Schülerinnen und Schüler werden deshalb von Anfang an in die Planung und Organisation der Ausstellung eingebunden. Sie fungieren nicht nur als Helfer beim Bilderaufhängen, das die LehrerIn plant und bestimmt. Museen sehen.

Derivat in der Ausbildung

Weder in der LehrerInnen- noch in der Kunstausbildung wird großer Wert auf Ausstellungstechniken und -methoden gelegt. Das Ausstellen wird kaum oder gar nicht systematisch unterrichtet. Vermutlich steht dahinter die Auffassung, dass die Kunstwerke an sich so stark sein müssen, dass sie  keine eigene Inszenierung brauchen. Inszenierung schaut immer nach Manipulation und Promotion aus: "gute Qualität hat das nicht nötig". Mit dem Aufkommen der Installationen hat sich die Einstellung ein wenig geändert.

Konkurrenz und Visualität

Im Kleinen wie Großen konkurrieren die verschiedenen Fächer um Ressourcen (Geld, Ausstattung, Zeit): in der einzelnen Schule ebenso wie bei der Erstellung von Stundentafeln im Allgemeinen. Hier hat der Bildunterricht einen entscheidenden Vorteil: seine Ergebnisse lassen sich in all ihrer Breite leicht, umfangreich und gleichzeitig präsentieren. Das Publikum muss weder still sitzen, noch lesen; es kann schauen und dabei anderen Beschäftigungen wie Reden, Essen und Trinken nachgehen. Die Ausstellungen lassen sich entsprechend inszenieren, bewerben, in der Lokalpresse oder im Netz veröffentlichen und mit Bildern dokumentieren.

Betrachter aktivieren


Ein Guckkastenkino: die Exponate sind nicht einfach zu sehen. Die Betrachter etwas tun, damit sie das Angebot sehen können (sie haben Energie investiert und sind deshalb aufmerksamer)

Im deutschen Pavillon auf der Biennale für Architektur 2006.Die Exponate müssen aufgedeckt werden. In den beleuchteten Kästen gibts was zu sehen, in den Deckeln was zu lesen.

Fußgängerpassage in Osaka mit Reproduktionen bekannter westlicher Kunstwerke.
Manchmal schaffen es selbst die größten Meister nicht, Aufmerksamkeit zu bekommen. Repliken europäischer Malerei in einem unterirdischen Einkaufszentrum in Osaka.

Ausstattung

Vor allem bei Ausstellungen außerhalb der Schule sollte vorab geklärt werden, welche Möglichkeiten vorhanden sind. Gibt es ein Ausstellungssystem? Was muss dazu besorgt werden. Die Methode, gerahmte Bilder mit Schnüren an Leisten zu hängen, wirkt sehr altmodisch und führt zu einem sehr einheitlichen Ausstellungslook, der von Anfang an langweiig ausschaut.. Besser ist es, die Wand lässt das Setzen von Dübeln zu. In Schulen können für die Rahmen feste Plätze existieren – auch hier besteht die Gefahr, dass die Ausstellungen immer gleich aussehen.

Personal

Wer hilft beim Aufbau der Ausstellung? Wie lange dauert dies? Welche Kompetenzen haben die Helfer? Wer bewacht die Ausstellung? Nachmittags können das ältere Schülerinnen und Schüler übernehmen.

Budget

  • Welches Budget steht zur Verfügung?
  • Wie wird dieses Budget verteilt?
  • Wer übernimmt die Kosten für das Plakat und die Einladungskarten, die Schule oder die Einrichtung, bei der die Ausstellung stattfindet?
  • Wer zahlt die eventuellen Portokosten für die Einladungen?
  • Wer sponsert die Verpflegung?

Dokumentation

Nicht nur im Kunstzusammenhang sind gute Dokumentationen wichtig, sie sind in aller Regel das einzige, was bleibt; deshalb ist es wichtig einen Teil des Etats dafür zu reservieren. Dies können großformatige Fotos sein, die in der Schule an prominenter Stelle noch lange von der Ausstellung berichten, aber es sind auch Kataloge, Internetauftritte oder zumindest umfangreiche Dokumentationen in der Schulbibliothek denkbar.

Sonstige Ressourcen

Bei der Auswahl von Ausstellungsplätzen sollte man auch ein Auge auf weitere Ressourcen haben, die im Ort liegen. Videogeräte, Beamer, Essen &c.

Die Ausstellung

Auswahl der Exponate

Die Ausstellung, mit der die Schülerinnen und Schüler zu verstärkten Anstrengungen motiviert und dafür belohn werden sollen, sollte möglichst von allen Arbeiten zeigen. Wenn es darum geht, Sponsoren zu gewinnen, kann es von Vorteil sein, eine entsprechende Auswahl zu treffen, die für die Absicht gut passt.

Visualität

Ausstellungen sind in allererster Linie Ausstellungen, d. h. sie wirken auf den Betrachter visuell. Bei vielen Ausstellungen erinnern wir uns eher an die Ausstellung als an die einzelnen ausgestellten Arbeiten. Die Auswahl der Arbeiten muss also vor allem die Ausstellbarkeit und Wirkung in der Ausstellung berücksichtigen. Wir schauen in erster Linie auf die Art der Hängung, der Präsentation und der Gestaltung insgesamt.

Zusammenhang

Ort und Zusammenhang, in dem eine Ausstellung gezeigt wird, kann bei der Auswahl der Exponate eine große Hilfe sein; sie können das Thema bieten. Ausstellungen werden interpretiert. Ausstellungsbesucher erwarten, dass es was zu verstehen gibt und sie freuen sich, wenn sie etwas verstehen. Zusammenhänge zwischen Anlass und Ort und Exponaten bieten schnelle und einfache Aha-Erlebnisse.

Informationen

In einer Ausstellung mit Schülerarbeiten sind Informationen über die Aufgabenstellung, das Alter der  Schülerinnen und Schüler und die mit den Aufgaben verfolgten Ziele wichtig, um die Exponate zu verstehen - verstehen freut das Publikm. Auf oder neben den einzelnen Schülerarbeiten vermerken die Schülerinnen und Schüler, was sie beabsichtigt und was sie dabei gelernt haben. ACHTUNG: wenn die Arbeiten als Kunstwerke präsentiert werden sollen, dürfen die Angaben über das Gelernte nicht auf den Blättern selbst stehe., Wenn allerdings deutlich werden soll, dass es sich um Übungsarbeiten im Rahmen von Unterricht handelt, dann wird dies durchs Draufschreiben unterstrichen - es entstehen keine falschen Eindrücke.

Videos

Videos werden zunehmend in Ausstellungen verwendet und dabei gibt es einiges zu bedenken. Monitor oder Beamer? Der Monitor kann frei auf einem Sockel stehen oder in einer Wand eingebaut sein. Die Projektion kann von vorne geschehen oder durch so genannte Rückenprojektion. Der eventuelle Ton muss deutlich sein, man kann Kopfhörer überlegen, aber dann erscheint das Video oft als weniger bedeutungsvoll. Wenn man will, dass das Publikum eine echte Möglichkeit haben soll, das Video zu sehen, sollten Sitzplätze vorhanden sein. Wenn das Video von Anfang an gesehen werden soll, sollte ein Schild die Zeiten angeben, wann das Video startet, z. B. jede halbe Stunde. Außerdem ist es üblich, die Länge des Films in Minuten anzugeben.

Mit relativ einfachen Mitteln lassen sich effektive Projektionsflächen herstellen - Holzleisten und Transparentpapier, oder eine halbtransparente Glasfläche, die frei im Raum hängt. Auch konventionelle Schülerarbeiten (Bilder auf DIN A3) lassen sich mit dem speziellen Leuchten einer Projektion aufwerten.
 

Videoprojektionen

Videoprojektionen werden immer häufiger eingesetzt. Sie ziehen nicht wie zu Beginn dieser Technoligie automatisch die Aufmerksamkeit auf sich. Deshalb muss man sich etwas besonderes einfallen lassen:
- auf den Boden projezieren
- an die Decke projezieren
- auf dreidimensionale Flächen, auf Gegenstände projezieren (Schachteln, geknülltes Papier, weiß gestrichene Zweige ...)
- auf ungewöhnliche Materialien (Wasser, Mehl, Blumenerde ...)  projezieren.

Sound

Seit den 1990er Jahren sind „tönende“ Ausstellungen immer üblicher. Auf den Biennalen hört man mittlerweile ein ständiges Getöse „Stille“ Ausstellungen sind immer seltener. Das sollte berücksichtigt werden. Ausstellungen ohne Sound wirken zunehmend leer und unbelebt.

visuelle Aufwertung

Wenn die Besucher im Raum herumgehen können, bleiben sie üblicherweise eine Weile da. Man sollte sich sehr um visuelle Zugängen bemühen. Eine Skulptur  lässt sich etwa durch Dokumentarfotos über die Herstellung und den Transport visuell aufwerten. Dadurch bekommt der "Herstellungsprozess"  (by the way: E. Henscheid nennt derartige Wörter Blähungen, weil Herstellung ja für sich schon ein Prozess ist)  eine zusätzliche semantische "Aufladung". Er wird zeichenhaft gedoppelt und damit wichtig. - Stichworte im Kunst- und Kunstpädagogikdiskurs: Prozesshaftigkeit, das Performative, Kunst als Prozess, Prozessorientierung...

Selbst organisierte Ausstellungen

Ausstellungen außerhalb der Schule muss man in der aller Regel selbst organisieren. Sollte der Raum, in dem ausgestellt werden soll, zu groß für die eigenen Exponate oder groß genug für mehr sein, kann man sich eventuell mit Kolleginnen und Kollegen zusammentun  und gemeinsam zu einem Thema arbeiten.
Hier könnte man, je nach zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten, versuchen die Zusammenarbeit geografisch oder strukturell spannend zu machen. „Salzburger und Madrider SchülerInnen zeigen Arbeiten zum Thema Globalisierung“ oder „Kindergartenkinder und Oberstufenschülerinnen zeigen Arbeiten zu ihren Lieblingsspeisen“ in einem Lebensmittelmarkt. Erfahrungsgemäß wecken derartige Ausstellungen ein erhöhtes Medieninteresse vor allem dann, wenn die Partner weit auseinander „liegen“.

aktive Einladungen

Wie schon erwähnt, ist es immer von Vorteil, die Besucherinnen und Besucher zu aktivieren. Die Einladungskarten könnten so gemacht sein, dass sie verändert, zur Eröffnung mitgebracht und dann Teil der Ausstellung werden.

Mitnehmsel

Einzelhandelsunternehmen wie Museen versuchen Besucherinnen und Besucher langfristig durch kleine Geschenke oder Souvenirs zu binden. Dies leisten Kalender oder andere Werbegeschenke ebenso wie Einkaufstüten. In Kunstmuseen befriedigen die BesucherInnen diese Bedürfnisse im Museumsshop. Ähnlich wie aktive Einladungskarten auf die Ausstellung vorbereiten, können Mitnehmsel die Dauer und Wirkung der Ausstellung zu Hause in den Wohnungen der BesucherInnen fortsetzen.
Felix Gonzales-Torres hat diese Strategie auf der Biennale 2007 im amerikanischen Pavillon perfekt vorgeführt.

Kosten

Raum

Für Ausstellungen mit Schülerarbeiten fallen in der Regel keine Mietkosten an: entweder man stellt sowieso in den eigenen Räumen aus, oder die Einrichtungen verlangen nichts, weil Kinder und Jugendliche immer eine gute Sache sind; dadurch fällt auf die Einrichtungen ein gutes Licht der Freigebigkeit.

Technik

Technik kann teuer sein. Hier können eventuell Kolleginnen und Kollegen oder die Eltern der Schülerinnen und Schüler aushelfen.

Vermarktung

Dieser Teil sollte nicht unterschätzt werden. Wie schon erwähnt, sollten 25-30% des Budgets auf diesen Posten entfallen. Wenn es möglich ist, die Vermarktung so zu organisieren, dass sie ein Teil des Ausstellungsprojektes ist, macht man einen doppelten Gewinn.

Informationsblatt

Eine Ausstellung braucht einen Text. In ihm wird die Bedeutung der Ausstellung unterstrichen, er ist eine Interpretationshilfe. Den kann man mit Email und mit einer Pressemitteilung verschicken. Selbstverständlich sollte er in der Ausstellung verfügbar sein; ausgelegt oder an der Wand. >>>

Katalog

Viele wollen einen Katalog zur Ausstellung haben, aber das ist teuer. Außerdem ist es selten möglich, dass der Katalog rechtzeitig fertig wird, um die aktuelle Ausstellung beschreiben zu können. Wenn man der Meinung ist, die Ausstellung, die man gemacht hat, habe beachtliche Qualitäten, kann man versuchen nachher einen Katalog zu machen.Die Fotos können aber auch in der Schule ausgehängt werden.









































Franz Billmayer, 2.12.2006
zuletzt geändert 7.3.2012