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Die Idee des Meisterwerks und die Kunstpädagogik |
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| Die Kunst, so wie sich im Laufe des 18.
Jahrhunderts entwickelt hat, versteht sich als eine besondere
Erkenntnisform. Diese Erkenntnis formuliert sich im Meisterwerk. Dieses
ist Träger einer wichtigen zeitlosen Wahrheit. Die Wahrheit
äußert sich in der Form, weshalb diese keinesfalls
verändert werden darf. Daraus leitet die Kunstpädagogik unter
anderem auch die Forderung ab, Kunstgeschichte und Kunstbetrachtung
solle möglichst vor Originalen durchgeführt werden - jegliche
Transformation in ein anderes Medium verfälscht Form und vor allem
Farbe. Wahrheit und Meisterwerk hängen eng miteinander zusammen. Die Wahrheit wird zumindest in der Zeit des Entstehens des modernen Kunstbegriffs als etwas zeitunabhängiges betrachtet. Meisterwerke in der Kunst werden zum Kanon. Im Gegensatz etwa zum Wissenschaftsbetrieb, wo alte Theorien von neueren abgelöst werden (und damit die älteren nur noch ein historisches Interesse finden), werden in der Kunst frühere Epochen und Meisterwerke von neueren nicht überflüssig gemacht. Der Kanon der Kunstgeschichte wächst einfach. Hier finden wir die Kunst in gewisser Weise zwischen Religion und Wissenschaft. Die Religion basiert auf einem begrenzten Kanon von Texten, die immer wieder neu interpretiert werden müssen, die Wissenschaft verbessert dauernd die Theorie, alte Theorien versinken in der Geschichte, die Kunst erweitert dauernd ihren Kanon, die jeweiligen Werke können und müssen aber dauernd neu interpretiert werden, weil sie zeitlose Wahrheiten beinhalten wie die religiösen Texte. (Bei der Kunst frage ich mich allerdings, ob das heute noch wirklich jemand glaubt; dennoch Kunstmuseen ähneln in der Inszenierung nach wie vor Reliquiensammlungen. Das Musée du quai Branly, das 2006 eröffnet wurde, inszeniert gar ethnografische Exponate zwischen Kunst und Reliquie, dabei stören nur wenige erklärende Texte auf Französisch die Kontemplation und den ästhetischen Genuss.) Kunstwerke werden konsequent in Museen mit großen Abständen von einander als einzeln stehend präsentiert. Das Werk ist der Text, der zu entschlüsseln ist, die Umstände, die zu seinem Entstehen beigetragen haben, interessieren höchstens, wenn sie zur Entschlüsselung beitragen. |
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| Meisterwerke enthalten die Wahrheit in
verdichteter Form und deshalb sind die Mühen, die die
Interpretation mit sich bringt, gerecht fertigt. In der
Kunstpädagogik werden die Werke entsprechend behandelt. Zum einen
kennen wir die Bildbetrachtung zum anderen das Einlernen des
kunstgeschichtlichen Kanons. Das ist nicht weiter erstaunlich und aus der Idee der KUNST-Pädagogik heraus auch leicht verständlich. Problematisch ist es/wird es, wenn die dabei entwickelten Methoden auch auf Erscheinungen der so genannten Alltagsästhetik angewendet werden, aus mehreren Gründen:
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| Schluss: Das Werk-Paradigma verhindert oder behindert viele wichtige Aufgaben der Kunstpädagogik. | ||
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| Franz Billmayer, 31.8.2007 |