Wenn wir etwa eine Kamera starr über einem Billardtisch installieren und sie das Geschehen unkommentiert zeigen lassen, dann sind die Bilder, die wir auf unserem Bildschirm sehen, keine Sprache. Wir sehen das Geschehen so, wie wir es sehen würden, wenn wir unter der Decke des Billardsalons hängen würden. Die Kamera, das Übertragungsmedium und der Bildschirm, auf dem sich das Bilder/die Bilder abzeichnen, kann als eine Ausweitung unserer Augen verstanden werden. (vgl. McLuhan, "Die magischen Kanäle") Wir betrachten und deuten das Geschehen so, wie wenn wir dort wären, denn das Bild stimmt im Prinzip mit der "Wirklichkeit" überein.

Will man das Bild als Sprache betonen, macht man das Gegenteil. Man versucht nicht alles einzufangen, man verzichtet auf möglichst alles, was mit der Sache nichts zu tun hat, man lässt weg und reduziert, beschränkt sich auf das Wesentliche. Diese Reduktion erkennen wir implizit als Stilmerkmal für Bilder, die mehr sind als lediglich Abbildungen. So gehen wir davon aus, dass uns etwas Bestimmtes mitgeteilt werden soll.
Umgekehrt werden in Bildern, die in kommunikativen Zusammenhängen auftauchen, alle Elemente einer Deutung unterzogen, besonders deutlich wird dies bei Kunstwerken. Angehenden Künstler sagt man etwa, sie sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren. Auch der oft gebrauchte Satz Weniger ist mehr. gehört in diesen Zusammenhang.

Mit diesem Piktogramm werden die Besucher des Musée d' Orsay in Paris darauf hingewiesen, dass Essen und Trinken verboten sind. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen der Sprache und Bildern. Bilder müssen mehr oder weniger konkret sein. So werden in diesem Zusammenhang "Essen und Trinken" dargestellt mit "Cola und Hamburger". Eine Form der Esskultur wird für die generelle Aussage "Essen und Trinken verboten!" verwendet. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen... alles andere zu essen und zu trinken ist erlaubt, allerdings würde man sich so als jemand erweisen, der mit moderner Bildkommunikation nicht umgehen kann. Wir wissen, dass bei Piktogrammen Bilder für "Sprache" stehen und wir interpertieren sie entsprechend.
Warum werden Bilder verwendet? Um Sprachhindernisse zu umgehen? Weil wir uns gegen das "Sehen von Bildern" nicht wehren können, weil es bei der Wahrnehmung keine Wahl gibt?
Franz Billmayer, 1.10.2006
zuletzt geändert: 12.10. 2010
zuletzt geändert: 12.10. 2010

