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theoretisches

Fotografie und Bild



 Foto als Beweis wann, wo wer?


Wenn heute von Bildern die Rede ist, dann sind meist Fotografien gemeint. Die Fotografie ist die am weitesten verbreitete Technik zur Herstellung von Bildern. Die Fotografie ist das Paradigma für Bild.
Beweise
Fotografien wird immer wieder Beweiskraft zugeschrieben. Am meisten wird uns das bei den Fotografien bewusst, die die so genannten Radarfallen von Autofahrern machen, die die zulässige Geschwindigkeit überschreiten, aber wir kennen dies aus allen Bereichen: Urlaubsfotos, Hochzeitsfotos, Gruppenfotos, Fotos von Gutachtern im Baubereich oder bei Unfallschäden an Autos.
Wir - zumindest alle, die sich nur ein klein wenig mit Fotografie beschäftigt haben und selbst Fotos machen - wissen, dass Fotografien nie die Wirklichkeit so wiedergeben, wie sie "ist". Der Blick des Fotografen bestimmt das Foto ebenso wie der Moment, in dem er den Auslöser drückt...
Dennoch leuchtet uns die "Beweiskraft" ein, die wir etwa einer Zeichnung oder einer Malerei und seien sie noch so genau nie zusprechen würden. Eine Fotografie, zumindest die traditionelle, ist ein Abdruck... zwischen Abbildung und Abgebildetem hat zum Zeitpunkt der Aufnahme ein naturgesetzlicher Zusammenhang bestanden: physikalisch beim Zustandekommen der Projektion auf der lichtempfindlichen Schicht des Negativs und des Fotopapiers, chemisch beim Entwickeln des Negativs und des Positivs. (Fotografien, darauf wird immer wieder hingewiesen, gleichen einem Abdruck - Turiner Grabtuch.) Manipulationen waren aufwändig und erforderten hohes technisches und handwerkliches Geschick. Die Wahrscheinlichkeit, ein relativ unmanipuliertes Foto vor sich zu haben, war wesentlich höher, als das Gegenteil... Mit der digitalen Fotografie und den einfach zu bedienenden wohlfeilen Bildbearbeitungsprogrammen ändert sich da einiges.





Bert Brecht zitiert in der Kronenzeitung
"Weil wir heute gerade bei Pornographie sind: Haben Sie das bemerkt, wie tugendhaft die wird, wenn sie mit Kunst betrieben wird?
Benutzen Sie die fotografische Methode, und was herauskommt, ist eine Schweinerei.
Sie würden nicht daran denken, so was an die Wand zu hängen als gebildeter Mensch. Es ist der pure Geschlechtsakt, mehr oder minder umständlich betrieben.
Und dann nehmen Sie Leda mit dem Schwan, ein delikat gemaltes Stück Sodomie, an sich keine gesellschaftsfähige Gewohnheit, aber plötzlich ist dem Ganzen der Stempel der Kunst aufgedrückt, und Sie können es zur Not Ihren Kleinen zeigen."1

1Kronen Zeitung, Freitag, 6. Jänner 2006.
Wie scharf dürfen Pornobilder sein? (Florian Rötzer)




Wann und wer?
Es gibt Fotografien, bei denen wir sofort fragen:
Wo war das? Wann?
Wer sind die Leute, die das abgebildet sind? Wie stehen sie zueinander?
Bei welcher Gelegenheit wurde die Fotografie gemacht?
Seltener fragen wir, wozu die Fotografie gemacht wurde.
Dann gibt es Fotos, bei denen wir diese Fragen kaum oder gar nicht stellen: Fotografien in Kochbüchern, Fotoposter, Werbefotografie.
Sammeln Sie Fotografien und ordnen Sie diese in eine der beiden Kategorien. Beschreiben Sie die Gemeinsamkeiten der Fotografien in der jeweiligen Kategorie hinsichtlich: formale Mittel, Größe, Erscheinungsort, Funktion, Kamerastandpunkt, Licht, &c.




Fotografien als Abdruck
"Es ist oft angemerkt worden, dass die Fotografie eher ein Index als ein Ikon ist, nachdem sie darauf beruht, dass der lichtempfindliche Film sich einmal in der Nähe des abgebildeten Gegenstandes befunden hat und davon einen 'Abdruck' festgehalten hat." Sonesson, G. (1991). Bildbetydelser.  (1. Aufl.)Lund: Studentlitteratur. S. 176 Übers. F.B.


Franz Billmayer, 21.12.2006
zuletzt geändert am 25.8.2007