Zeichenartendruckversion (pdf) (nach Rudi Keller (1995). Zeichentheorie. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, einem sehr empfehlenswerten Buch.) Zeichen sind aus der Sicht des Rezipienten Werkzeuge oder Hilfsmittel, um von etwas unmittelbar Wahrnehmbaren auf etwas nicht unmittelbar Wahrnehmbares zu schließen. Zeichen sind also Gegenstände der Interpretation. „Aus der Perspektive des Sprechers (im wohlverstandenen Sinne) gesehen sind Zeichen Muster zur Hervorbringung wahrnehmbarer Dinge, die er dem Interpreten an die Hand gibt, um diesen dazu zu bringen zu erschließen, in welcher Weise er ihn zu beeinflussen beabsichtigt.“ (Keller, S.113) Zeichen bedürfen der Interpretation. Die Interpretation von Zeichen ist die Grundlage von Kommunikation. Allerdings ist die Interpretation ein allgemeinerer Begriff als die Kommunikation, so gibt es Zeichen, die nicht der Kommunikation dienen:
„Interpretieren heißt (u.a.), auf der Basis von systematischen oder als systematisch unterstellten Zusammenhängen Schlüsse zu ziehen.“ (Keller, S.113) Bedeutung ermöglicht uns, Zeichen zu interpretieren – Bedeutung ist also die Basis für die Schlüsse des Interpretierenden. Die systematischen Zusammenhänge sieht man als Bedeutung an, wenn man in der Lage war, die Zeichen zu interpretieren. Die Bedeutung ist also der Zusammenhang zwischen interpretiertem Zeichen (dem unmittelbar Wahrnehmbaren) und dem „Gemeinten“ (dem nicht unmittelbar Wahrnehmbaren). Es gibt bei Interpretationen genau drei systematische Zusammenhänge:
Und auch, dass ein Ikon in seiner Verwendung als Symptom verstanden werden kann. Aha, dieser Sender verwendet solche Zeichen, jener solche. Ähnlich ist es mit der Typografie und dem Layout von texten allgemein. Jede symbolische Äußerung kann auch auf einer symptomatischen Weise interpretiert werden. SymptomDas Symptom ist das einfachste Zeichen. Als Beispiel werden hier gerne die roten Flecken auf der Haut, die Masern „bedeuten“, erwähnt oder die sich bewegende Grashalme, die Wind bedeuten.Hinter Symptomen steht keine Absicht. Es gibt keinen bewussten Sender und auch keinen Adressaten. Es sind Erscheinungen, die erst durch Interpretation zu Zeichen werden. Symptome können aber in einer gewissen Absicht zur Kommunikation verwendet werden, dann ändern sie ihren Charakter. Ich kann meinen Akzent bewusst einsetzen, um meinem Gegenüber erkennen zu lassen, woher ich komme. Teil – Ganzes - RelationIm Verhältnis von unmittelbar Wahrnehmbarem und nicht unmittelbar Wahrnehmbarem bedeutet das: „Ein Teil ist ein Symptom für das Ganze in einer Situation, in der der Teil dazu genutzt wird, aufs Ganze zu schließen.“(Keller, S. 120)Die oben erwähnte Bedeutung kommt im Falle von Symptomen durch die Teil-Ganzes-Relation zustande. Der Arzt kann auf Grund seines Wissens über die Masern die Flecken als Teil des Krankheitsbildes „Masern“ deuten. Er schließt also von den Flecken (Teil) auf die Krankheit (Ganzes). Ursache – Wirkung - RelationEs gibt aber noch einen weiteren Typus von Symptomen: z.B. Fußspuren, Fingerabdrücke, Dialektakzente. Die Interpretierbarkeit wird hier durch die Beziehung der Verursachung begründet. Die Bedeutung eines Abdrucks als Symptom besteht darin, Wirkung der Ursache eines Verursachers zu sein, der sprachliche Akzent lässt auf die Sprache und damit den Ort schließen, an dem der Sprecher die Sprache gelernt hat. Der Zusammenhang von Verursacher, Ursache und Wirkung wird zur Interpretation genutzt. Die Methode der Interpretation ist die des kausalen Schließens.Mittel- Zweck- RelationDabei schließe ich vom Mittel (unmittelbar wahrnehmbar) auf den Zweck (nicht unmittelbar wahrnehmbar). Ein Mann sitzt mit einer Angel am Ufer eines Sees. Aus dem Mittel (Angel) schließe ich auf den Zweck (Fische fangen). Die Bedeutung der Angel als Symptom lässt sich durch den Zusammenhang von Angel und Fischen erklären.Prinzipiell kann alles als Symptom gedeutet werden. Auch Nicht-Kommunikation lässt sich als Zeichen deuten. Jegliche Zeichen können symptomatisch interpretiert werden. Bei Bilder kann sich das etwa beziehen auf: Machart, Stil, Kontext, Aufbau, Material, Größe, Ort der Präsentation, Betrachterstandpunkt... IkoneIm Gegensatz zu Symptomen werden Ikone absichtsvoll hervorgebracht. Sie sind Kommunikationsmittel. Kommunikationsmittel sind Mittel, die von einem Zeichennutzer (Sender) dazu benutzt werden, um einen Adressaten zu beeinflussen. Man gibt also dem Adressaten mittels Zeichen zu erkennen, wozu man ihn bewegen möchte. Man hofft, dass sich dieser aufgrund dieser Erkenntnis in die gewünschte Richtung beeinflussen lässt. "Kommunizieren ist also ein Handlung, die darin besteht, den anderen Hinweise zu geben, um bei ihm einen Prozeß in Gang zu setzen ( den des Interpretierens), der zum Ziel hat, das gewünschte Beeinflussungsziel herauszufinden, das heißt, die Handlung zu verstehen." (Keller, S. 106)Das Ikon hat einen Sender. Ikone sind die stilisierten Männlein und Weiblein anToilettentüren, das O im Wort O-Beine und Kuckuck als Bezeichnung für den Vogel, der so ähnlich schreit. Zeichen und das Gemeinte stehen im Verhältnis der Ähnlichkeit zueinander, allerdings ist nicht festgelegt, wie stark oder direkt die Ähnlichkeit ist. Das Zeichen muss jedoch den Zweck erfüllen können. Dazu wird die wie auch immer geartete Ähnlichkeit benutzt. Aber: ob ein Ikon ein Ikon ist, bestimmt nicht die Ähnlichkeit zwischen Zeichen und Gemeintem, sondern die Art der Interpretation – der assoziative Schluss. Die Ähnlichkeit kann nach folgenden Gesichtspunkten eingeteilt werden: a) lautlich, grafisch oder gestisch b) direkt oder indirekt c) stärker oder schwächer Die Toilettenmännlein oder –weiblein sind grafisch, indirekt und eher schwach. Indirekt darum, weil sich die Ikone nicht auf Herren/Damentoilette sondern auf die prototypische Kleidung der BenutzerInnen bezieht. Der Zeichenproduzent verwendet ein Ikon. Der Adressat muss durch assoziatives Schließen herausbekommen, was gemeint sein könnte. „Die Bedeutung ist die wie auch immer geartete Ähnlichkeit, die die Assoziation oder die Assoziationskette zu dem Gemeinten hervorruft.“(Keller, S. 126) Das Zeichen ist Interpretationsschlüssel und Assoziationsimpuls, mit Hilfe dessen der Adressat unter Berücksichtigung der gegebenen Situation (Interpretation eines Ikons ist stark kontextabhängig) meine Intention entschlüsseln kann. Ikone werden oft spontan geschaffen, es kann kein „Lexikon“ der Ikone geben; denn „(e)in Ding (…)wird zum Ikon, wenn es dazu verwendet wird, bei einem Adressaten auf dem Wege der Assoziation eine bestimmte Erkenntnis hervorzurufen.(…) Alles, was Assoziationen auszulösen imstande ist, kann unter geeigneten Umständen als ikonisches Zeichen verwendet werden.“ (Keller, S. 128) SymbolDer Zusammenhang zwischen Symbole und dem, was sie bedeuten, ist relativ beliebig (arbiträr). Daraus kann man jedoch keine Schlüsse ziehen. Symbole sind Zeichen, die auf der Basis der Gebrauchsregeln interpretiert werden. Es ist also die Regel des Gebrauchs, was ein Symbol interpretierbar macht. „Die Regel der Verwendung, das wechselseitige Wissen, unter welchen Bedingungen und zu welchem Zweck das Symbol verwendbar ist, ist es, was den Interpreten in die Lage versetzt, vom Wahrnehmbaren auf das Nicht-Offensichtliche zu schließen.“(Keller, S. 129) Das heißt: Beide, Adressat und Sender, müssen dieselben Gebrauchsregeln kennen und diese der Situation angemessen anwenden, um vom Wahrnehmbaren auf das Nicht–Offensichtliche schließen zu können. Das Ziel des Adressaten/Interpreten ist es herauszufinden, was der Sender meint.Das, was der Sprecher meint, wird als Sinn bezeichnet. „Die Bedeutung ist das, was mir erlaubt zu `erraten´, was der andere von mir möchte, nicht das, was er von mir möchte.“ (Keller, S. 129) Das, was er von mir möchte, ist wieder der gerade erwähnte Sinn. Der Sinn ist der Zweck des Einsatzes sprachlicher (symbolischer) Mittel. Eine Symbolverwendung zu interpretieren heißt nicht die Bedeutung des Symbols herauszufinden, sondern den Sinn herauszufinden. (Die Bedeutung der Äußerung „Es zieht.“ ist eine andere als deren Sinn: der oder die Angesprochene möge die Türe schließen.) Durch die regelhaften Bedeutungen ist bei einer symbolischen Kommunikation der Interpretationsraum kleiner als bei einer ikonischen Kommunikation. Der Kontext spielt aber auch bei der symbolischen Kommunikation eine wichtige Rolle, um die Intentionen des Senders richtig verstehen zu können. Dabei werden das Situationswissen und das sprachliche Wissen des geäußerten Satzes so lange einander angenähert, bis man zu einem zu beiden Systemen (Sprach- und Situationswissen) passenden Ergebnis kommt. „Bedeutungen sind Indizien, die der Sprecher dem Adressaten zur Verfügung stellt, damit dieser auf der Basis der Kenntnis der Gebrauchsregeln und seines Situations- bzw. Kontextwissens den Sinn der Äußerung erraten möge.“ (Keller, S. 132) Durch wiederholten Gebrauch kann sich das Interpretieren beschleunigen und automatisieren, so können aus Symptomen und Ikonen aufgrund regelhaften Schließens Symbole werden. Was für den einen schon ein Symbol ist, ist für einen anderen noch ein Ikon oder ein Symptom. Ikonen, die nicht primär der Kommunikation dienenPoster, Fototapeten oder Hollywoodfilme lassen sich nicht einfach unter dem Aspekt der Kommunikation verstehen. Nicht nur Actionfilme dienen in erster Linie der Ermöglichung von Erlebnissen, sie gleichen der Fahrt mit der Achterbahn eher als einer Mitteilung. Im einen Fall wird der Thrill durch die Stimulation körperlicher Reaktionen und von Vorstellungen ausgelöst, im Fall der Filme entsteht der Thrill aus der Kombination von Sehen, Hören und Imaginieren... diese Interpretationen lösen körperliche Reaktionen aus.Anmerkung: in Teilen folgt dieser Text den Formulierung der Diplomarbeit von Erich Arlhofer: Das Alpendorf. Eine Architekturanalyse der touristischen Infrastruktur, Salzburg Universität Mozarteum 2006
|